
Les(e)bar
Mitglieder des Ensembles lesen quer durch alle Genres und Epochen, von heiter bis wolkig, dramatisch bis lyrisch, ernst bis witzig.Ausgabe:
Ausgabe vom 16.11.2010
Kein Verbrechen, das ich nicht begangen hätte
Anlässlich des 100. Todestages von Lew Tolstoi
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Lew N. Tolstoi (1828-1910) war nicht nur der Autor schwergewichtiger realistischer Romane, wie „Krieg und Frieden“ und „Anna Karenina“; er bewies sich in zahlreichen Erzählungen auch als aufmerksamer Beobachter über alle Klassenschranken hinweg. Der schriftstellernde Graf war Zeit seines Lebens ein widersprüchlicher Mensch: Er kämpfte einerseits um moralische Vervollkommnung und die Gleichheit der Menschen, handelte aber andererseits dabei rücksichtslos auf Kosten der eigenen, vielköpfigen Familie. Sein Tod auf der Bahnstation Astapovo, auf der Flucht vor der eigenen Frau, sorgte 1910 für entsprechendes Aufsehen und beschädigte das Ansehen Sofia A. Tolstaias nachhaltig. Jahrzehnte lang hatte sie sich – neben ihren Aufgaben als Hausfrau und Mutter seiner dreizehn Kinder – für das Werk ihres Mannes eingesetzt und aufgerieben – als Kopistin und Herausgeberin, im Kampf mit der Zensur und letztlich auch in Auseinandersetzung mit Tolstoi selbst.
Leitung:
Die nächste Les(e)bar: 21. Dezember 2010
So eine Bescherung!
Lesung für Plätzchenverächter und Weihnachtsliedgeplagte