das sonnensegel ist die zeitung des 14. schultheaterfestes!

 

Eröffnung des 14. Schultheaterfestes an den ubs.

Wenige Minuten nach 14 Uhr wurde das 14. Schultheaterfest an den Uckermärkischen Bühnen Schwedt von Lutz Hermann, dem Ersten Beigeordneten des Bürgermeisters der Stadt Schwedt, und Waltraud Bartsch eröffnet. Zu diesem Zeitpunkt hatten zwei Schwedter Spielgruppen ihre Auftritte bereits vor vollen Sälen bewältigt und das Zwischenfoyer war mit Zuschauern und Darstellern beinahe aller Altersgruppen gefüllt. Lutz Hermann stellte den „Spaß am gemeinsamen Spiel“ und den Austausch zwischen den in den kommenden drei Tagen auftretenden Schülergruppen in den Mittelpunkt seiner kleinen Ansprache. Er dankte den Förderern des Schultheaterfestes und insbesondere den Organisatoren dafür, dass die Schultheatertage auch in diesem Jahr wieder zahlreichen theaterbegeisterten Jugendlichen ein Podium bieten und ließ „symbolisch den Vorhang hochgehen für das 14. Schultheaterfest an den Uckermärkischen Bühnen“. Theaterpädagogin und STF-Initiatorin Waltraud Bartsch schloss sich dem „Toi toi toi“ Herrn Hermanns - auch im Namen des ubs-Intendanten Reinhard Simon - an und lud die Anwesenden an die Kindergeburtstagstafel des wieder um ein Jahr älter gewordenen Schultheaterfestes. Bleibt auch uns nur, uns allen spannende, turbulente und an Anregungen reiche drei Festtage zu wünschen.

 

DS - Total ... Totales DS?

Nach vielen Jahren Schultheatertagen weiß man, dass Darstellendes Spiel mehr ist und mehr sein kann als nur „Antigone“ oder „Sommernachtstraum“. Immer wieder wagen sich Gruppen an ganz andere Theaterformen, an ganz andere Möglichkeiten der Umsetzung von eigenen Ideen. So auch der Kurs DS Klasse 12 des Gauß-Gymnasiums Schwedt unter Leitung von Simone Grieger. „DS-Total“ nannten sie ihre Arbeit und versuchten darin, die vielfältigen Möglichkeiten von DS aufzuzeigen. Eingebettet in eine TV-Show (nur ganz entfernt erinnernd an „TV-Total“) wurden Sketche gezeigt, Improvisationen und Tänze, die während der DS-Stunden entstanden, wenn nicht an einem Stück gearbeitet wurde. Aufwärmübungen sozusagen. Aber aneinandergereiht kann man daraus durchaus ein eigenes Stück basteln. Die Aufgabe der Jury bestand darin, aus den gezeigten Teilen den Besten herauszufiltern und DAS DS-Ideal zu präsentieren. Und es zeigte sich, dass es das nicht gibt, ja dass man gar kein Urteil fällen konnte, weil eben DS so vielseitig sein kann. Eigenproduktionen sind immer wieder interessant, weil sie einen guten Einblick in die Denk- und Arbeitsweise der Schüler geben. Womit beschäftigen sie sich? Was gefällt ihnen? Über welche Alltäglichkeiten können sie lachen und was beunruhigt sie? All diese Fragen versuchte der Kurs zu beantworten. Und heraus kam eine interessante Mischung aus Musik, Sprache, Spiel und Tanz. Die zwar nicht immer ganz exakt war, aber das tat der gesamten Sache keinen Abbruch, denn das Konzept war stimmig und ging auf. Interessant war der kurze Ausflug in die Politik, bei dem die Frage übrig blieb: Was kann DS, in der Schule, mit Poltik anfangen? Kann es überhaupt politisch sein, allein schon, weil man ja eine Position beziehen muss zu den Themen, die man anspricht? Ist es Aufgabe von DS, sich mit aktuellen, politischen Fragen auseinanderzusetzen? Wenn ja, bliebe ja fast nur das Kabarett - und ist das DS? Oder kann man wirklich versuchen, politische Themen in den Inszenierungen aufzugreifen? Wie politisch ist DS denn überhaupt? Fragen, auf die ich hier keine wirklich gute Antwort weiß. Der Kurs von „DS-Total“ wußte auch keine und so blieb es bei diesem kurzen Besuch bei George Bush. Was auch ganz gut so war. Vielleicht einigt sich die Truppe im kommenden Jahr auf eine DS-Idee und stellt sich dann mit einem Stück vor. Denn einige Variationen haben sie in diesem Nummernprogramm probiert. Vielleicht sehen wir sie ja dann mit einem politischen Stück ... „Antigone“ wäre da eine Möglichkeit. Aber das muss die Jury entscheiden. Roy Blacha

 

Die Welle – die sie alle mitriss

Seit dem Zweiten Weltkrieg fragen immer wieder Nachgeborene, wie das deutsche Volk hinter den Gräueltaten des Nazi- Regimes stehen konnte, ohne sich zu widersetzen oder zu hinterfragen. Eben diese Fragen stellen auch die Schüler in dem Stück „Die Welle“ ihrem Geschichtslehrer Mr. Ross. Dieser versucht, seinen Schülern anhand eines Experimentes die Geschichte begreiflich zu machen. Ohne zu wissen, dass sie sich in einem Experiment befinden, werden sie zu einer Einheit verschworen, die den Namen „Welle“ trägt. Ihre Mitglieder zeichnen sich durch Zusammenhalt und Disziplin aus, aber auch durch absoluten Gehorsam. Dieser Gehorsam verbindet die Schüler mit den Nazianhängern, und ohne es zu bemerken, wirken in ihrer kleinen Gruppe die gleichen Mechanismen wie im Nazideutschland. Die Jugendlichen des Theaters Stolperdraht überzeugten auf der spärlich eingerichteten Bühne durch schauspielerisches Talent und Können. Unterstützt wurde ihr Spiel durch die Musik von ACDC, die die passende Überleitung von Szene zu Szene gab. Durch das dichte Spiel schaffte es die Gruppe, die Zuschauer in ihren Bann zu ziehen. Besonders in der letzten Szene, als der Geschichtslehrer Mr. Ross sein Experiment beendet, indem er alle Mitglieder zu einer Versammlung zusammenruft, fühlt sich der Zuschauer als Teil der Welle und muss einsehen, dass auch er sich hat verführen lassen von einem falschen Gemeinschaftsgefühl. Sophie Müller

 

Schweißperlen auf der Degenspitze

Wie weit man in 90 Minuten in die Techniken des Bühnenfechtens eintauchen kann, zeigte uns der gestrige Workshop unter der Anleitung von Daniel Heinz vom Theater Frankfurt. Es stellte sich heraus, wie wichtig eine intensive Erwärmung ist, um Konzentrationsfähigkeit und Kondition zu schulen, da „Schweißperlen einfach zum Schauspieler dazugehören“. Das Sensibilisieren auf den Partner ist dabei eine nicht zu unterschätzende Voraussetzung. Anschließend erhielten wir einen kleinen Einblick in die Grundlagen, wobei es anfangs schwierig war, Schritte und Handführung zu koordinieren. Die Mühe zahlte sich jedoch durch ein Abschlussgefecht aus, in dem einzelne Elemente miteinander verbunden wurden. Die emotionale Bindung zum Gerät erfolgte durch auflockernde Zitate: „Man sollte den Degen wie einen Vogel halten: Nicht zu fest, sonst erstickt er und nicht zu leicht sonst fliegt er davon.“ Ebenfalls motivierte uns das Posieren als „Musketier“ vor der Presse, um unsere Kampflust zu wecken. Selbst die sprachlichen Unstimmigkeiten aufgrund unterschiedlicher Nationalitäten erwiesen sich nicht als größere Barrieren, da die Verständigung auch durch Körpersprache funktionierte. Letztendlich war dieser Workshop, der uns ein Reinschnuppern in den komplexen Bereich des Bühnenfechtens ermöglichte, eine empfehlenswerte Erfahrung. Es wäre schön, wenn man die gewonnenen Eindrücke auf die jeweilige Theatergruppe überträgt und das Gelernte somit Anwendung finden kann. Steffi und Julia

 

Acht Frauen

„Die acht Frauen“ von Robert Thomas ist eine beschwingte Komödie rund um acht Frauen, die nach dem offensichtlich gewaltsamen Tod des Familienoberhauptes Marcel nach dem Täter oder besser der Täterin in ihren eigenen Reihen fahnden. Den ersten Akt dieser Komödie hat das Flurtheater Groß Köris unter der Leitung von Jürgen Bonk und Birgit Mittwoch bei den Schultheatertagen aufgeführt. Mit wenigen Requisiten und vollem Einsatz gelang es den acht Akteuren die amüsante Suche nach dem Täter darzustellen. Die Besonderheit dabei war, dass Schüler und Lehrer gemeinsam auftraten. Außerdem waren neben den fünf Darstellerinnen auch drei männliche Darsteller in den Frauenrollen zu sehen. Ihre Leistung überzeugte; besonders Tante Augustine und ihre „kleinen Manien“ unterhielten das Publikum, ebenso wie das Zimmermädchen Louise mit ihren Geheimnissen. Aber auch die anderen Frauen: Suzon, Catherine, Pierrette, Madame Chanel, Gaby und die alte Mamy trugen ihren Teil zu einem abwechslungsreichen Gefecht der Worte bei. Leider war die Vorstellung nach dem ersten Akt beendet und die Zuschauer wurden über die Frage der Täterschaft im Unklaren gelassen. Trotz kleinerer Unsicherheiten im Spiel ist „Acht Frauen“ eine sehr sehenswerte Inszenierung, die im nächsten Jahr hoffentlich vollständig bei den Schultheatertagen zu sehen sein wird. Anna

 

Das Flurtheater Groß Köris

Innerhalb des Schultheaterfestes ist das Flurtheater Groß Köris insofern eine Ausnahmeerscheinung als hier SchülerInnen und Lehrerinnen gemeinsam auf der Bühne stehen. Zu diesem ungewöhnlichen Experiment zwangen ganz alltägliche Probleme: Das Engagement und Interesse bei einem Großteil der Schüler ließ nach mehrjähriger erfolgreicher Arbeit rapide nach. Es fanden sich trotz aller Bemühungen einfach nicht mehr genügend Interessierte für eine sinnvolle gemeinsame Arbeit. Die „übrig“ blieben, wollten deshalb aber noch nicht aufgeben und setzten sich zusammen, um nach einem Ausweg aus der Misere zu suchen - und fragten bei Lehrern und Eltern an. Mit Erfolg: Seit einem dreiviertel Jahr arbeiten SchülerInnen und Lehrerinnen mit Erfolg und der Unterstützung des Berliner Regisseurs Jürgen Bonk an dem Kriminalstück „Acht Frauen“. Im Dezember diesen Jahres soll Premiere sein. Und die Hoffnung aller Beteiligter ist, durch dieses Arbeitsergebnis wieder genug Neugier bei den Mitschülern zu wecken, um ein reines Schülerensemble auf die Beine zu stellen. Aber wer weiß - vielleicht sollte man, auch wenn das „Experiment“ erfolgreich verläuft, an der aus der Not geborenen Arbeitsweise festhalten? Sie scheint allen Beteiligten neue wichtige Erfahrungen - nicht nur auf, sondern auch hinter der Bühne, im „richtigen“ Leben - ermöglicht zu haben. Ist es doch ein Unterschied, ob man vor einem Lehrer im Unterricht sitzt oder neben ihm auf der Bühne steht. Hinzukommt, dass - wenn ein Ensemble aus 5 Frauen und 3 Männern ein Stück aufführen will, dessen Titel „Acht Frauen“ in gewisser Hinsicht Programm ist, weitere Kompromisse gefunden werden müssen. Und so stecken auf der Bühne des Flurtheaters derzeit auch die Herren in Damenkleidern. Doch das tun sie mit solcher Selbstverständlichkeit, dass man „den kleinen Unterschied“ bald vergisst und sich ganz von der Geschichte und dem Spiel einfangen lässt. S.P.

 

Ich sehe was – ich denke was

Ein Unfall passiert, ein Mensch liegt im Krankenhaus. Er liegt im Koma. Und hier setzt die Geschichte ein. Was passiert im Koma? Wie viel bekommt der Mensch mit? Wie geht man mit diesem Menschen um? Und vor allem, wie setzt man das auf einer Bühne um? Versucht hat das der Kurs DS 12 des Gauß-Gymnasiums Schwedt. Unter der Federführung von Simone Grieger erarbeitete der Kurs die Eigenproduktion „Ich sehe was ...“. Das Stück beginnt im Krankenhaus, die Ärztin erklärt den Eltern die Diagnose und die Polizei den Unfallhergang. Im Laufe des Stückes setzen sich die Puzzleteile zusammen: das Bild wird klar und damit die Umstände, die zu diesem Krankenhausaufenthalt gehören. Dass die Tochter im Koma liegt, erschwert die Aufklärung und macht es für die Eltern, Freunde und Geschwister nicht einfacher, über das Leben mit ihrer Tochter, Freundin, Schwester nachzudenken, während diese im Koma liegt. Es zeigt sich, dass Tina schon seit längerem Probleme in der Schule und dadurch auch mit ihren Eltern hatte. Diese führten zu einer psychischen Belastung, die sich im Zerschneiden der Unterarme, unbemerkt von Allen, zeigt. Das lässt die Vermutung zu, dass es sich beim Autounfall um einen Suizidversuch handelt. Praktisch als Rettung oder Hilferuf aus dieser Situation. Die Gruppe steht geschlossen hinter dem Stück und das merkt man auch, wenn man sie auf der Bühne beobachtet. Besonders gelungen waren die sechs Teile der Psyche, die den Zustand des Komas darstellten. Durch kurze Handlungen brachten sie Tinas Reaktionen auf den Punkt, boten praktisch einen Einblick in ihren komatösen Zustand. Auch die Scheu der Mitmenschen vor der Situation im Krankenzimmer wurde gut dargestellt: Alle schlichen um das Bett, immer bemüht, ob bewusst oder unbewusst, einen gewissen Abstand zu halten – zu ungewohnt, zu unheimlich die Situation. Durch die verschiedenen Gedankenansätze innerhalb der Erzählung blieb einiges an Spielraum für den Zuschauer, der sich ein eigenes Ende der Geschichte denken konnte, denn das Ende der Gruppe lautete: „Das Leben ist bunt!“ Und da haben sie wohl recht. Roy Blacha

 

Eine Chance, eine kleine ...

Das Theater Frankfurt (Theater im Schuppen e.V.) zeigte mit „Hannibal, der kleine Feldherr“ ein Probenergebnis. Die Premiere der noch unfertigen Inszenierung von Frank Radüg, der auch den Text schreibt, findet im September statt. Boris B., nach eigener Aussage Meisterfotograf, beobachtet, wie Fanny eben dabei ist, vom Hochhaus zu springen. Doch dann überlegt sie es sich anders und Boris verpasst „das Bild seines Lebens“. So lernen sich zwei Menschen kennen, die das Leben suchen, das eigene Ich in diesem Leben und gleichzeitig Einiges an Ängsten mit sich herumschleppen. Zwei Menschen, die sich verstecken hinter erfundenen und wahren Geschichten, hinter fremden Gesichtern und doch die Nähe zum Anderen suchen, die Offenheit voraussetzen würde ... Das Theater Frankfurt bringt in dieser Inszenierung auf bewährte Weise Pantomime, Tanz, Akrobatik und Musik zu einer Einheit, die die Grenzen zwischen den darstellerischen Mitteln verwischt. Neu - zumindest für mich - war die Verwendung eines weiteren Elements: des Gesangs, der in seiner Einfachheit sehr beeindruckte und der Geschichte einen weiteren Aspekt abgewann, der sich eben nicht in (gesprochene) Worte fassen ließ. Die Probe ließ das Ende offen - das Stück ist noch nicht fertig, hat noch kein Ende. Die Zuschauer machten im Aufführungsgespräch Vorschläge, die zwischen einem vehementen Plädoyer für ein offenes Ende und konkreten Vorschlägen für ein „happy“ oder „sad ending“ alles abdeckten. Ebenso voneinander abweichend war offensichtlich, was jeder aus dieser Vorstellung mitnahm. Es gab allerdings niemanden, den die Geschichte von Boris und Fanny nicht berührt, bewegt, beschäftigt hätte: Ein Kosmos an möglichen Assoziationen tat sich auf. Darüberhinaus gab es Lob für die wie stets beeindruckende Körperbeherrschung und Bühnenpräsenz der Darsteller wie auch für die selbst produzierte Musik. S.P.

 

Vom Suchen und Finden des Glückes

„Die Suche nach dem Glück“, ein Schauspiel der Theaterwerkstatt Potsdam der Montessori-Oberschule Potsdam, ist etwas ganz Besonderes. Das Stück erscheint zunächst in einem relativ einfachen Rahmen angesiedelt. Die Familie der neunjährigen Nina ist größer geworden. Papa hat eine neue Frau, die einen Sohn mitbringt und von Papa schwanger ist. Das Besondere fällt jedoch sogleich auf. Das Publikum sitzt nicht vor der Bühne, sondern ist Teil des Stückes, da in den eigenen vier Wänden des Zuschauers gespielt wird. Das Ensemble bezieht mehrere Räume der Wohnung und alle vorhandenen Gegenstände in ihr Spiel ein. Der Zuschauer wandert den Schauspielern und somit dem Geschehen hinterher. So hat jeder die Möglichkeit seine ganz eigene Sichtweise zu entwickeln und sich mehr oder weniger auf eine bestimmte Szene einzulassen, indem er sich zurückzieht oder näher in das Geschehen eingliedert. Das Stück beginnt mit einer Situation, in der eine merkwürdige Figur wortlos Dinge im Zimmer verschiebt, bis Nina in das Geschehen eintritt. Das Außergewöhnliche ist, dass das Spielen ohne viele Worte auskommt. So erfährt der Zuschauer von der „Patchwork“-Familiensituation, indem Nina ein Getränk aus Cola, Bier, Milch und Saft zusammen mixt, was die einzelnen Familienmitglieder symbolisiert und ihr so gar nicht schmeckt. Oder es begegnet Nina einem Mädchen, das an ihren Bruder „gefesselt“ ist, der ihr ganz schön auf die Nerven geht und sie sich doch nicht von ihm lösen kann. Diese Metaphern gehen mehr an die Nieren als manches Wort. Die merkwürdige Figur vom Anfang des Stückes entpuppt sich als Babysitter, der aber doch keiner ist, sondern Nina das Glück, welches sich in einer kleinen Schachtel befinden soll, bringen will. Kann sie es zunächst nicht erkennen, findet sie es am Ende in ihrem bis dahin verhassten Stiefbruder Steffen und der neuen Mama. Alles entpuppt sich schließlich als Traum, doch Nina wacht verwandelt aus ihm auf und kann mit der neuen Familiensituation umgehen. Sie und ihr Bruder machen sich nach dem Erwachen auf ins Krankenhaus, wo das neue Baby geboren wird. Die Tür knallt ins Schloss und hier endet das Stück, ohne dass die Schauspieler für den Applaus wiederkehren. Der Zuschauer wird durch diese Geschichte wie an einem unsichtbaren Faden geführt und am Ende mit seinen Gefühlen allein gelassen, was jedoch nicht stört, denn das Ganze fühlt sich an wie eine kleine Insel Glück im Alltag. Vielleicht kann jeder in diesem Stück einen Anstoß finden, um sein persönliches Glück zu finden. Melanie

 

Typisch Heimkind

Ein Theaterstück, das durch seine darstellerische Vielfalt und seine Wortkargheit auffiel und in schöner Erinnerung bleibt. Bei dem Titel „Typisch Heimkind“ kann man viele Assoziationen haben, aber das Mädchenensemble aus Reichenow griff wahrlich keine Klischees auf. Trotzdem rief es eindrucksvoll die eigene Kindheit in Erinnerung. Ob durch das „Vater-Mutter-Kind-Spiel“ oder den Stuhltanz. Aber gerade in diesen Momenten machten sich die Unterschiede bemerkbar. Sehr unterschwellig und ohne große Worte wurde deutlich, was diese Kinder als Familie sehen: Streiten, Tränen, Wut und vielleicht sogar Gewalt. Angelehnt an das Buch „Es war der Hirbel“ von Peter Härtling entwickelte die Hobbytheatergruppe eigenständige Charaktere, die durch großes Engagement und Überzeugungskraft sehr real wirkten. Ohne aufgesetzte Gefühle ließen sie einen an diesem Leben im Heim - bar wirklicher Geborgenheit - teilhaben. Ein großes Lob muss auch dem Bühnenbild und den Kostümen ausgesprochen werden. Diese waren sehr originell und liebevoll gestaltet und rundeten das Stück angenehm ab. Laura

 

Fünf schwarze Schafe

Fünf Kinder in einem Heim. Fünf Kinder, fünf Geschichten und fünf Gemeinsamkeiten: jedes ist irgendwie für sich allein, irgendwie ein schwarzes Schaf im System und dennoch in guter, freundschaftlicher Gesellschaft mit den Anderen. Durch ihre kindliche Art trotzen sie den Alltagswidrigkeiten und den herrischen Erzieherinnen. Können aber auch mal ganz weit hinter ihre Fassade blicken lassen, wenn es zum Beispiel um den Besuchstag geht, an dem die Mütter kommen, oder eben, wie beim Erik, nicht. Und damit wird genau dieser Erik noch mehr an den Rand gedrängt. Aber am Ende wird alles gut? Oder ist die Flucht aus dem Heim nur ein Traum? Gibt es kein Entrinnen aus diesem Heimalltag? Wachsen sie über sich hinaus? Die Schwachen werden die Stärkeren sein? Die fünf jungen Frauen aus Reichenow, vom Mädchenensemble, brachten diese Thematik mit einer Spielfreude und naiven Sichtweise auf die Bühne, dass einem mitunter das Lachen im Halse stecken blieb. Sie schafften es geschickt, in Situationen zu wechseln, die schlagartig eine andere Stimmung hatten. Da endet der fröhliche Kindergeburtstag in einem Desaster und nach der Wanderung fehlt ein Mädchen. Nur eines ist nicht zu sehen: Gewalt. Die Kinder tun sich untereinander nichts, begreifen sich als Leidensgenossen. Die Kissenschlacht ist das höchste dieser Gefühle. In einem wunderbar funktionalen Bühnenbild agierten die Fünf in einer Mischung aus Improvisation und kindlicher Leichtigkeit. Herrlich übertrieben die Darstellung der Heimerzieherin und mitunter die von Kindern. Trotz allen Ernstes herrschte die ganze Zeit Leben auf der Bühne – bis hin zum wunderbar hoffnungsvollen Schluss, an dem alle Fünf über grüne Wiesen in ein neues Leben entschwinden, raus aus diesem Heim. Roy Blacha

 

In eigener Sache

Bei allem guten Willen wird es uns vielleicht nicht gelingen, jede während des Schultheaterfestes vorgestellte Inszenierung in dieser Zeitung zu besprechen. Dies hat nichts mit einer Missachtung der betreffenden Produktionen zu tun, sondern ist einfach eine Frage von Kraft und Zeit. Auch aus diesem Grund ist jeder, der etwas für das sonnensegel schreiben möchte, herzlich dazu eingeladen. Wir sehen unsere Aufgabe in erster Linie darin, den (Erfahrungs-) Austausch zwischen den Gruppen und Spielern, dem das Schultheaterfest dienen soll, zu unterstützen und diejenigen zu informieren, die die eine oder andere Vorstellung nicht sehen konnten. Das heißt auch, dass wir uns um eine möglichst vielseitige und objektive Berichterstattung bemühen. Aus diesem Grund beabsichtigen wir, das Format der Zeitung in diesem Jahr leicht zu verändern. Ein Grund mehr, warum wir auf Eure Unterstützung hoffen. Erreichbar ist die Redaktion des sonnensegels per e-mail spagel@theater-schwedt.de oder telefonisch unter 538-230. Die Redaktionssitzung findet täglich um 9.00 Uhr im Büro der Dramaturgie statt. Die Zuordnung von Bildern zu den Artikeln muss nicht passend zum Stück erfolgt sein. Die Redaktion