In eigener Sache

Bei allem guten Willen wird es uns vielleicht nicht gelingen, jede während des Schultheaterfestes vorgestellte Inszenierung in dieser Zeitung zu besprechen. Dies hat nichts mit einer Mißachtung der betreffenden Produktionen zu tun, sondern ist einfach eine Frage von Kraft und Zeit. Auch aus diesem Grund ist jeder, der etwas für das sonnensegel schreiben möchte, herzlich dazu eingeladen. - Erreichbar ist die Redaktion des sonnensegels täglich unter spagel@theater-schwedt.de oder telefonisch unter 538-230. Die heutige Redaktionssitzung (Dienstag!) findet um 13.30 Uhr im Büro der Dramaturgie statt.

Zum Zweiten die Bitte: Redet mit uns. Auch wir sind an einem konstruktiven Feedback, unsere Arbeit auf diesen Seiten betreffend, sehr interessiert.

Die Redaktion

Eröffnung des 13. Schultheaterfestes an den ubs.

Als das diesjährige Schultheaterfest, das im übrigen unter dem Motto steht „Jetzt schlägt‘s dreizehn!“, um 16 Uhr eröffnet wurde, hatten die ersten beiden Darstellergruppen ihre Auftritte bereits hinter sich gebracht. Einige wenige Worte zur Begrüßung sprachen der Intendant der ubs. Reinhard Simon und die Theaterpädagogin Waltraud Bartsch, deren Engagement sich die Existenz des Schultheaterfestes auch in seinem 13. Jahr verdankt. Neben der Versorgung mit Zucker, Vitaminen und vor allem Flüssigkeit in allen Farben des Regenbogens kam auch bei der Eröffnung der kulturelle Beitrag nicht zu kurz, der in diesem Jahr von den DRUMPEOPLE und der Artistikgruppe des Schwedter Gauß-Gymnasiums gestemmt wurde, was auf allgemeinen Beifall stieß. Bleibt uns allen in den kommenden Tagen viele neue (und neugierige) Eindrücke zu wünschen - und toi toi toi!
Gegen 19.45 Uhr - vor Beginn der fünften Vorstellung am ersten Festtag - sprach Holger Rupprecht, Minister für Jugend, Bildung und Sport des Landes Brandenburg als Schirmherr des Schultheaterfestes eine kurze Grußadresse im Kleinen Saal.

Dahin und Zurück – Ausschnitte aus dem kleinen Hobbit

Zum Auftakt des diesjährigen Schultheaterfestes – „Jetzt schlägt’s Dreizehn“ – brachten uns Orks und Hobbits ein Stück Mittelerde in den Kleinen Saal der Uckermärkischen Bühnen. Obwohl sie eigentlich schon aus der Schule raus sind, rafften sich die DSP-Schüler der 10. Klasse der Ehm-Welk-Oberschule Angermünde am Montag, dem 26. Juni gemeinsam mit ihrer Lehrerin, Astrid Maschke, noch einmal zusammen, um gemeinsam aufzutreten. Mit ihrem Stück „Dahin und zurück – Ausschnitte aus dem kleinen Hobbit“ haben sich die Jungdarsteller am populären Herr-der-Ringe-Thema versucht. Das Schauspiel handelt von der Reise des Bilbo Beutlin, die er zusammen mit dreizehn Zwergen und dem Zauberer Gandalf antritt. Nicht nur für eingefleischte Fans der Bücher um den einen Ring klang dies nach einem interessanten Inhalt. Dieser ging jedoch an so mancher Stelle aufgrund der Lautstärke unter. Da die Gruppe ganz andere Räumlichkeiten von den Proben her kannte, fiel ihr die Umstellung sichtlich schwer. Auch mit anderen Schwierigkeiten hatte sie noch vor der Premiere zu kämpfen. Prüfungsstress spielte dabei ebenso wie Zeitdruck eine Rolle. Die noch nicht wirklich ausgefeilten Charaktere sind in Anbetracht dessen auch zu verzeihen. Das kurzfristige Ausfallen der Hauptrolle, die dann durch Astrid Maschke selbst ersetzt werden musste, war für die Darsteller eine zusätzliche Hürde, die es zu überwinden galt. Vor allem die bewusst eingesetzte Verschmelzung der Szenerien trug letztlich zur Verwirrung des Publikums bei und erschwerte es, dem Handlungsverlauf zu folgen. Viele kleinere Details jedoch werteten das Gesamtbild auf und halfen, den Zuschauer trotzdem für sich einzunehmen. So blieb zum Beispiel die übergroße Darstellung des Ringes, der kinoreife Stunt eines Zwerges oder die künstlerische Darstellung der Drachenkulisse den Zuschauern als positiv in Erinnerung.
Bettina Schmidt

Glückssuche

Unter diesem Titel wurden die beiden Einakter des DS-Kurses der elften Klasse des Schwedter C.-F.-Gauß-Gymnasiums aufgeführt. Das erste Stück behandelte den typischen Eltern-Kind-Konflikt: Susanne wird erwachsen und möchte ihren eigenen Weg gehen. Ihre Eltern halten jedoch nichts von ihrem Plan, eine Ausbildung zu absolvieren und sich dem Tanzen zu widmen, sondern sehen sie bereits als eine brilliante Ärztin. Den einzigen Ausweg, den Susi noch sieht, ist, die Schule abzubrechen und in eine WG zu ziehen. Doch die Probleme häufen sich: die Lehrstelle wird ihr verweigert und ihre Mitbewohner setzen sie schlichtweg vor die Tür. Was Susi jetzt noch bleibt, ist ihr neuer Freund, der bereits vom Heiraten spricht. So zeigt das Ende dieser Inszenierung die Erfüllung der größten Angst von uns allen: Susi wird wie ihre Mutter – Ehe, drei Kinder, Hausfrau! Mit Musik, Tanz und vor allem viel Witz war das Stück eine gelungene Karikatur der Sorgen, Schwierigkeiten und Ängste Jugendlicher.
Ebenso vortrefflich war auch der zweite Einakter. Es begann mit der Frage: „Wie würden Sie entscheiden?“, welche auf den Schluss verwies – den Gerichtsprozess, in dem über Franzi geurteilt wird. Diese war zu einer Party bei Marco zusammen mit ihren Freundinnen eingeladen, die jedoch eskalierte, nachdem Grufties die Nachbarin Frau Meier angriffen. Frau Meier wiederum schwört, dass Franzi an der gesamten Misere schuld sei. Die Schuldfrage vor Gericht am Ende blieb offen. Im Gegensatz zum humoristischen ersten Teil glänzte das zweite Stück durch besondere schauspielerische Talente und Gitarrensolos.
Gemeinsam bildeten die beiden Bühnenstücke eine hervorragende Komposition, aufgelockert durch vielfältige Musik, die das Auditorium begeisterte.
Stefanie Rach

Ernstfälle

Ein literarisches Stück, das viel mit Klängen spielte, wurde uns vom Theater an der Wendeschleife des Heine-Gymnasiums Cottbus dargeboten. Verschiedenste Gedichte von Ernst Jandl hatten die Jugendlichen, im Alter von 16 bis 22, in kleinen Gruppen erarbeitet und uns letztendlich als ein Stück mit fließenden musikalischen Übergängen vorgestellt. Die Gedichte, die aus den verschiedensten Lebensepochen Jandls stammten, wurden thematisch gut verbunden. Sie begannen mit dem Tod und endeten bei „seinem“ Lebensanfang. Wer Jandls Gedichte kennt, weiß, dass es viele Möglichkeiten gibt, sie zu verstehen und um so interessanter war es, mal ein anderes Verständnis vor den Augen zu haben. Die Stimmung erleichternd und die Lautmalerei der Gedichte unterstützend wurden die verschiedensten Instrumente eingesetzt, von Klarinette über Trommel bis hin zur einfachen Tröte. Dabei waren die Übergänge auch thematisch gut auf die Gedichte abgestimmt, so dass man das Gefühl eines einzigen langen Gedichtes bekam. Leider konnte dadurch auch leicht der Eindruck erweckt werden, dass mehr Anstrengung auf diese Zwischenspiele gelegt wurde, als auf die eigentlichen im Mittelpunkt stehenden Gedichte. Die Freude am Stück, vielleicht auch gerade dadurch, dass nie Pausen entstanden, und der damit auf der Bühne enstehende Wirbel übertrugen sich auf das Publikum, das denen so in sich geschlossen Gedichten offen gegenüber stand.
Laura Sternbeck

39 Kilo - gespielt vom Theater Frankfurt

- beginnt fast am Ende der Geschichte - „Ruf den Krankenwagen, sie stirbt“ - fleht Miriam Peter an. Sonne, ihre beste Freundin, war nur noch Haut und Knochen. Die gesamte Geschichte erzählt sich durch eine Rückblende: Sonne leidet unter Ess-Brechsucht und, als ihre Freundin Miriam sich zu dick und zu unattraktiv für Peter fühlt und zu ihr zieht, beginnt auch sie sich zu übergeben, um die überflüssigen Pfunde runter zu kriegen. Bald drehen sich die Gedanken der beiden nur noch ums Abnehmen. Die treibende Kraft ist dabei Sonne; sie hat Miriam und auch Peter im Griff. Obwohl sich Miriam und Peter zueinander hingezogen fühlen, versucht sie die beiden auseinander zu bringen und Miriam sowie Peter zu beherrschen. „Dienen oder herrschen“ ist ihre Devise. Und selbst als Peter feststellt: „Sie ist ein Monster“ entgegnet Miriam nur „sie ist meine Freundin“ und zeigt sich ihr ergeben. Die Schauspieler schaffen es, durch ihr präzises Spiel die Charaktere und ihre Gefühle eindrucksvoll darzustellen. Unterstützt werden sie dabei durch die Hintergrundmusik, die immer an die jeweilige Situation angepasst ist. Einzelne Szenen gewinnen durch mikrofonverstärktes Flüstern, in dem die Gedanken und Empfindungen der Figuren zum Ausdruck kommen, an Intensität und schaffen damit eine ganz besondere Stimmung. Zum Ende wendet sich die Geschichte wieder ihrem Ausgangspunkt zu und man erfährt, dass Sonne aufgrund ihres Untergewichtes gestorben ist und auch Miriam die Ess-Brechsucht nicht überlebt hat. Peter bringt sich ein Jahr nach Sonnes Tod an ihrem Grab um. Die Themenwahl ist sehr gut gelungen und die künstlerische Umsetzung beeindruckend.
Sophie

Heiligeisdorf

Was die Inhaltsangabe zum Stück „Heiligeisdorf“ im Programm verriet, ließ wenig vom Inhalt ahnen – und auch das Bühnenbild, das das schaulustige Publikum im Kleinen Saal erwartete, enthüllte nichts: Leer und schwarz die Bühne, kein Requisit lieferte ein Detail. Umso mehr wurde der Zuschauer für die eigentliche Handlung sensibilisiert:
Nach einer eindrucksvollen Geräuschkulisse mit Klängen, wie man sie aus der Natur kennt, stiegen eine Großzahl der Darsteller aus dem Publikumssaal empor – in dem sie sich vorher unbemerkt platzieren konnten – und betraten von unten die Bühne, steif und zombieähnlich. Dann, wie es öfter während des Stückes wieder auftrat, verwandelten sich die Akteure in einen Wald rauschender und pfeifender Bäume – eine eindrucksvolle und lautmalerische Idee, die gut beim Publikum ankam. Symbolismus kam abermals ins Spiel, als sich das „Heiligeisdorf“ in einen lauten, aggressiven Hühnerstall verwandelte – ein Spiegelbild des Dorfes.
Denn im „Heiligeisdorf“ geht es nicht mit rechten Dingen zu: Eine Unbekannte, nach ihrem Bruder suchend, gelangt in das Dorf, um seinem letzten Lebenszeichen zu folgen, und stößt auf Ablehnung, Verschwiegenheit und ein Netz aus Lügen, das ihr das Schicksal ihres Bruders verwehrt. Das Ende klärt nicht alle Fragen, so blieb Raum für eigene Fantasie.
Die Theater-AG „Licht“ aus Königs Wusterhausen, bestehend aus Schülern der Jahrgangsstufen 9-13 und unter der Leitung von Heike Licht, arbeitete hier gänzlich fragmenthaft – Standbilder und Blacks begannen und beendeten jede der Szenen. Das Stück lebte außerdem auch sehr von Mimik und Gestik, Dialoge fielen eher spärlich aus, um das bedrückende der Handlung zu untermalen. So entstanden im Nachgespräch auch Lobe wegen der präzisen Aussprache, auf die die Schüler gerade wegen des Mangels an Sprache achten wollten. Die Situation des Dorfes in Bezug zu der fremden Frau wurde von einem Zuschauer sogar mit dem Film „Chocolat“ verglichen und dieser Vergleich schien nicht ganz abwegig für das Dorf, bei dem nicht allein das Schweigen über einen mysteriösen Tod fasziniert, sondern auch die Boshaftigkeit, mit der die Frau hintergangen wird. Den Schluss bildete ein Geigenspiel der Protagonistin. Allgemein traf die Inszenierung auf positive Resonanz – so können die Schülertheatertage liebend gern weitergehen!
De Anne

Du bist der Anpfiff ...

Dem FinowerKulturKabarett des Gymnasiums Eberswalde-Finow gilt Anerkennung schon allein dafür, daß sie am STF teilgenommen haben: Der männliche Teil der Gruppe befindet sich derzeit nämlich auf Abschlußfahrt, weshalb die Damen kurzfristig einiges im Programm umstellen und ohne die Unterstützung der männlichen Kollegen auskommen mußten. Die selbstgeschriebenen Texte zeichnen sich (größtenteils) rein sprachlich durch Niveau und Prägnanz aus. Leider läßt sich Entsprechendes nicht über den Inhalt sagen, der mitunter doch sehr tief unter die Gürtellinie und die Grenze jeglichen Geschmacks zielte - manches Mal ein gewisses Maß an Peinlichkeit und politischer Naivität nicht mehr übersehen ließ. Bei durchaus guten Anlagen fehlte es auch deutlich am Handwerk - Pointen wurden nicht gesetzt und gingen dadurch verloren, es fehlte Rhythmus, Timinig, Kürze. Weniger wäre manchmal mehr gewesen. Und so läßt sich der kurze Abend am besten in seinen eigenen Worten beschreiben: „Deutschland zieht sich peinlich berührt vom Rasen zurück.“ Und - nichtsdestotrotz: „Wir kommen wieder - mit eigenem Programm!“ - Warum nicht?
S.P.