Es geht weiter in „So geht´s weiter“ und einer hat sein wachsames Auge überall: Wachtmeister Borkewald. Nachdem sein Abgang von der „Sonnenallee“ mit Besen und Hausmeisterkittel alles andere als (wacht-)meisterlich war, ist er wieder da und beobachtet und kontrolliert alles – auch die Proben! Es ist uns gelungen, Einblick in seine natürlich streng geheimen Aufzeichnungen zu nehmen und werden ab sofort regelmäßig daraus berichten.
 
11.Juni 2004
 

Über die erste Probenwoche, die am 7. Juni mit der so genannten Konzeptionsprobe begann, hat er der Presse am 11. Juni folgendes zu Protokoll gegeben:

„Ja, nun geht es weiter. Uniform gebügelt, Dienstvorschriften erinnert und los. Zur Kop..., Kom..., Kotz..., na, zur Konzipationsprobe, allererste Probe eben. Da waren sie wieder alle, die von damals, vom Spielplatz. Und ein paar andere, die wo sind neu. Könnte wetten, die hatten keinen Ausweis dabei. Das muss beobachtet und demnächst Kontrolle gemacht werden weil das ist nämlich verboten, und wie verboten das ist.

Überhaupt, wie alle so rumsaßen bei die Konzipationsprobe, völlig unmilitärisch. Aber ihre Vorschriften hatten sie alle dabei, die Textvorschriften, manche sagen auch Buch dazu. Ich sorge mir, was das soll werden. Denn in der Buchvorschrift geht´s um
– bewaffnete Organe,
– um gefährdete Kinder und Jugendliche,
– um Eheschließung und Scheidung,
– um Trauerfeierlichkeiten ,
also alles Vorkommnisse wo man muß sehr aufpassen und wachsam sein.

Und außerdem wahrscheinlich wieder wahnsinnig viel verbotene Musik wo man die Gefahr im Text nicht hört weil Tarnung mit englisch.. Ich zerbreche mir schon den Kopf wegen der Moral und so, Sie wissen schon.

Häuser und Straßen wo man kann kontrollieren, haben sie noch gar nicht vorhanden.

Aber der Bühnenbildner hat eine Puppenstube mitgebracht, vorgezeigt und alles mit einer sanften Stimme erklärt, was war mir sehr verdächtig. Als ich bin unauffällig ganz nah rangegangen, hab ich aber gesehen, dass das unsere Straße ist – aber Sie können sich einfach nicht vorstellen, wie klein in eine Puppenstube doch so eine Telefonzelle werden kann! Wie klein da erst eine passende Münze sein muss!

Dann haben sie Schluß mit die Erklärungen gemacht und sind einfach aufgestanden und gegangen und haben ganz harmlos getan , welche haben auch gelacht und getan als ob gar nichts Gefährliches dran wäre. Wie soll das bloß weitergehn.

Heute sind die richtigen Proben angefangen. Sie heißen sehr schwierig weil sie sind Choriogra fische Proben. Ein Chor war aber nicht gekommen, und Fische auch keine, weil es geht da nicht um Singen und schwimmen sondern um Tanzen. Um sehr schwieriges Tanzen. Es muss mit den Füßen, den Beinen sowie Armschwenken und Hüpfen durchgeführt werden und manchmal wird dazu auch noch gezählt, was sehr anstrengend ist. Als Vergleich ist eine Vormilitärische Ausbildung ein leichter Osterspaziergang dagegen. Und es ist noch sehr laute Musik dazu die auch noch viel zu schnell ist.

Menschenschinder haben zwei gerufen wobei sie haben sehr geschwitzt und geschnauft und die andern haben nicht gerufen aber heimlich Zustimmung gegeben, wobei ihnen ebenfalls der Schweiß gelaufen ist. Habe ich nachgelesen über Ausbeutung des Menschen durch den Menschen und über Diktatur des Proletariats. Wenn das wird so weitergehen, werden wir dem Choriografen, der auch kein Chorleiter nicht ist sondern Obervortänzer, mal zeigen müssen, was die bedeutet. Er hat auch zweimal was falsch vorgetanzt, was alle gemerkt haben und froh drüber waren, weil sie das zufrieden machte.

Meinen Bericht über die klassenfeindliche Musik, die meine Kampfkraft mit einem sehr schmerzhaften Muskelkater beeinträchtigt wurde, habe ich schon fertig. Noch mal passiert mir so´n Ding wie mit „Moscow“ nämlich nicht, darauf könn´ Sie sich sicher sein. Ich muß noch überlegen, ob „Like a Rolling Stone“ was mit den Rollenden Steinen bei den Ernteeinsätzen und Steinelesen auf den sozialistischen Äckern zu tun hat. Denn dann hätte das ja doch seine Ordnung. Das konnte ich beobachten beim geselligen Beisammensein von jungen sozialistischen Soldaten mit Werktätigen in der Landwirtschaft in die HOG - Gaststätte „Zum langen Arm“. Eine Tanzveranstaltung, die mich sehr hat erinnert an meine schöne Zeit als Schallplattenunterhalter.

Die notierten Zweifel von mir an das so genannten Bühnenbild waren sehr berechtigt. Das Armeebett (unten) brach nach wenigen Sprüngen vom Doppelstockbett (oben) zusammen. Dieses Bett kann also nicht echt sein weil für den Klassenkampf völlig ungeeignet. Muß ich weiter beobachten.

Weiter beobachtet werden muss auch das Treiben nach den Proben in der Kantine. Da werden angeblich wahre Begebenheiten vom Ehrendienst in der Arbeiter- und Bauernarmee erzählt und verunglimpft, die können einfach nicht stimmen weil sie sind verleumderisch. Kann man wieder sehn den Einfluss von Westsendern mit englischer Musik. Und das ist verboten! Aber wenn endlich ich besiegt habe meinen feindlichen Muskelkater, gehe ich rum überall, und kontrolliere endlich die Ausweise!

 
 
Die komplette Bildergalerie der Konzeptionsprobe gibts hier.
 
26.August 2004
 
Nach dem Singen und Tanzen über das ich schon protokolliert habe, wurden wir abkommandiert vom Oberbestimmer, der hier Intendant heißt und auch der Reschissör ist zum Ferienmachen, Muskelkater pflegen und Kampfkraft wieder herstellen. Hab ich gemacht und auch nachgelesen in Klassiker und ein altes Marschierbuch über "Ein Schritt vor und zwei Schritte zurück". Geht aber schlecht oder ich habe mich verzählt, denn als ich so zum Bäcker wollte, war ich eine ganze Woche unterwegs.

Habe außerdem Anleitung wie man vorschriftsgemäß Kontrolle macht von Ausweise im und außerhalb von`s Grenzgebiet abgeschrieben. Steckt jetzt im Protokollbuch für alle Fälle es kommt einer ohne oder ist verdächtig. Denn das ist verboten. Bevor wir wieder alle angefangen haben mit Tanzen und Singen und Text aufsagen wurden wir belehrt, welche Gefahr von rollenden Stühlen, brennenden Papierkörben und langen Leitungen droht und wie wir uns dagegen schützen. Einige murmelten immer wieder "gaaanz vorsichtig" und haben vielleicht die drohende Katastrophe nicht richtig gesehen. Deshalb notiere ich das in´s Protokoll, denn Arbeitsschutz geht alle an, auch die Vorsichtigen.

Außer Kampfkraft stärken haben wir in den Ferien auch gewartet auf schönes Wetter. Hat sich gelohnt, es wurde richtig heiß. Leider mussten wir genau da wieder Singen und Tanzen und Schwitzen. Wir haben die Türen vom Raum für Proben weit gelassen auf, so dass jetzt auch alle Schreibtischmenschen im Theater können die verbotenen Lieder. Das muss kontrolliert werden, denn eigentlich nach Vorschriften darf das nicht sein.

Meine Bedenken nach Lesen der Buchvorschriften vergrößern sich ständig. Zum Beispiel wo es geht um Bewaffnete Organe. Der junge Genosse Maik kommt als Nachzügler zur Volksarmee, da muss man sich wohl fragen, warum und ob die Wehrbereitschaft damit nicht geschädigt wird dauernd. Aber die werden ihm das schon zeigen. Dann haben die Soldaten gelernt richtig essen gehen. Dazu muss man nämlich antreten und wenn das Kommando "Bestecktasche nach innen" kommt, schnell wechseln das Behälter für Löffel, Messer und Gabel nach innen. Das ist auch geeignet für nichtmilitärischen Alltag, wenn man an jemanden Besteck oder Geschirr vorbeitragen will und das nicht richtig abgewaschen ist. Muss ich extra noch notieren.

Zu diesem Essenmarsch haben die Soldaten gesungen "Im Regiment nebenan", aber das hat mich geführt irre. Nebenan war nämlich keiner, nicht ein einziger, ich habe genau gesucht. Habe den Fehler sofort vermerkt, weil das so nicht geht. Man muss immer wissen wo das Regiment ist, nebenan oder woanders. Sonst geht alles durcheinander ins Grenzgebiet. Und dann war noch ein richtiger Skandal. Der Obervortänzer, der was auch wieder da ist von den Ferien, wollte, dass wir mit "rosa Höschen" tanzen. Er hat dann behauptet, dass ist nur ein Missverständnis und er wollte das wir tanzen den Schritt der heißt "Dosado" und er ihn genannt hat "Dosadöschen", damit wir keine Angst haben vor dem großen Tanz. Und keiner musste Unterwäsche anziehen. So waren wir wieder erleichtert, aber wir müssen wachsam bleiben.

 
12. September 2004
 
Habe in täglich erscheinendes Presseerzeugnis von einem Herbstfest gelesen bei dem neuer König von Kürbis gesucht wird. Kenne Bezirk Kürbis nicht also sprang in sofort in mein Dienstfahrzeug und fuhr mit zugelassener Höchstgeschwindigkeit zum Ort des Geschehens: BLUMENBERGER MÜHLE.

Dort traf ich auf viele Bürger die Lebensmittel und andere ökonologische Erzeugnisse herstellten und anboten. Da mein Kommen ein dienstliches war, übernahm ich sofort Kontrolle auf Haltbarkeit der angebotenen Einzelverkaufserzeugnisse und überprüfte Einhaltung von hygenitischer Vorschrift. Alles ohne besondere Vorkommnisse.

König für Bezirk Kürbis war Falschmeldung von Presseorgan. Gesucht wurde Bürger der unter Beachtung von Pflanzenkunde gezüchtete hatte größte Frucht von Gemüsepflanze. Gewonnen hatte Bürger mit Frucht von 66 kg. Bei einer Überprüfung von Personaldokumten wurde Bürger entdeckt welcher Probleme mit Einhaltung von Pünktlichkeit zur Bereitstellung eines Exponates hatte. Jener Bürger erschien zur Wertung erst um 12.05 Uhr und kam somit zu spät, hatte aber augenscheinlich größte Frucht von Gemüsepflanze in seinem PKW. Frucht brachte schätzungsweise 100 bis 150 kg auf Waage. Bürger betonte im nächsten Jahr gewissenhafter mit Pünktlichkeit umzugehen und wurde nur mündlich verwarnt.

Restliche Begehung des Herbstfestes ohne Beanstandung.
 
 
 
 
präsentiert von
 
Das Textbuch
 
Regieassistentin Maren Rögner und Choreograph Detlef Völker
 
Das Bühnenbild als Miniatur
 
Das Bühnenbild als Miniatur
 
Bühnenbildner Andreas Rank und Intendant Reinhard Simon im Gespräch
 
Das Bühnenbild als Miniatur
 
Figurinen (Kostümlayouts)
 
Intendant Reinhard Simon und das Modell der Bühne
 
Andreas Rank erklärt seine Bühne
 
Mitwirkende
 
Borkewald auf Mission
 
Borkewald auf Mission
 
Borkewald auf Mission
 
Borkewald Zugriff!
 
Probenbilder