Fit für die Zukunft – Fit für die Uckermark!





14 – Mittwochmorgen, 9 Uhr
Fitness und Koordination – Bewegung als Grundlage des Schauspielerberufs

Durch die Förderung aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) ist es möglich, den Mitgliedern des Schauspielensembles einmal in der Woche Bewegungstraining unter Anleitung von Judith Przygoda geben zu lassen. Ziele des Trainings sind die Erhöhung der Koordinationsfähigkeiten und der körperlichen Fitness. Dazu werden verschiedene Übungen durchgeführt, die der Mobilität und Kräftigung dienen. Aber auch Dehnen und Koordination spielen eine wichtige Rolle, wobei verschiedene Bewegungsabläufe kombiniert werden, wie es auch bei Kampf- oder Tanzchoreographien geschieht: Die Arme tun etwas Anderes als die Füße, Schritte werden mit Sprüngen und Drehungen kombiniert. Auch Anteile des Pilates werden eingebaut, denn anders als beim Tanzunterricht steht beim Bewegungstraining die Fitness im Vordergrund, unabhängig vom schauspielerischen Ausdruck oder einer szenischen Aussage. Dennoch ist eine gute Bewegungsarbeit grundlegend für jeden Schauspieler, weil nur sie ihm ermöglicht, auch komplexe und ungewohnte Bewegungsabläufe auf der Bühne zu realisieren, denn anders als im Alltag lassen sich auf der Bühne keineswegs Bewegung und Sprache voneinander getrennt betrachten. Ein Grund für die – zumindest für Schauspieler, die am Abend nicht selten bis 22, 23 Uhr auf der Bühne stehen – ungewöhnliche Tageszeit, zu der das Training angesetzt wird: So ist es vor Beginn der Vormittagsprobe um 10 Uhr auch ein gutes Warm-Up für die Tagesarbeit.

13 – Dienstagnachmittag - Der Körper als Werkzeug


Neben Gesangs- und Bewegungsstunden, neben Sprecherziehung und Polnischunterricht haben die Mitglieder des Schauspielensembles im Rahmen der aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) geförderten Mitarbeiter- und Unternehmensqualifikation seit Herbst 2012 auch die Möglichkeit, wöchentlich am Tanzunterricht teilzunehmen. Geleitet werden die wöchentlichen Tanzstunden von der Tänzerin und Choreographin Eliza Hołubowska aus Gryfino (Polen). Den Schauspielern des Schwedter Ensembles ist sie aus der Arbeit an den Inszenierungen „Durchgeknallt im Elfenwald“, „Hinterhalt im Elfenwald“ und „Romeo und Julia“ bekannt. Eliza Hołubowska arbeitet sehr schauspielorientiert: Sie erzählt mit ihrer Auffassung des Tanzes immer auch eine Geschichte. Gleichzeitig legt sie aufgrund ihrer komplexen Ausbildung, die auch deutlich physiotherapeutische Schwerpunkte hat, großes Augenmerk auf eine harmonische Beziehung zum und Forderung des Körpers. Eliza Hołubowska, die auch mit Amateuren arbeitet, sieht weniger einen Unterschied zwischen diesen und den Profis, als in der persönlichen Einstellung des Einzelnen zu sich, seinem Körper und dem Leben.

Die Inhalte des Tanzunterrichts sind breit gefächert: Sie reichen von klassischen Bewegungsabläufen unter Berücksichtigung des vorhandenen Raums, der Zeit, verschiedener Richtungen, Formen, Energien und Emotionen, Bewegungsabläufen am Boden, Lockerungs- und Isolationsübungen für die Wirbelsäule, Stretching zur Erweiterung der Bewegungsmöglichkeiten. Es wird mit Anziehungskraft, Veränderungen des Gleichgewichts, Bewegungslosigkeit gearbeitet, um Dynamik zu erzielen. Es wird untersucht, wie Bewegung aus verschiedenen Körperpartien entsteht; die motorische Koordination und die Führung der Bewegung und Energie werden trainiert. Besondere Ansprüche stellen dann verschiedene Improvisationsübungen, die thematisch oder abstrakt, mit und ohne Musik, in Paaren oder in der Gruppe ausgeführt werden. Durch das Kennenlernen neuer Möglichkeiten der Arbeit mit dem Körper wird neben dem praktischen Training und der Förderung der individuellen Bewegungsfähigkeiten auch das theoretische Spektrum erweitert.

Ein wesentlicher Aspekt des Unterrichts ist die Arbeit mit Stimme und Atmung. Für einen Musicaldarsteller, der gleichzeitig spielt, tanzt und singt, ist es unabdingbar, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, welchen Einfluss Spielen, Sprechen, Singen auf Bewegung und Körper haben; wie beeinflusst die Bewegung das Atmen und wie wirkt sich die beim Singen und Sprechen unterschiedliche Atmung auf die Bewegungsfähigkeit des Körpers aus? Die Anforderungen des Tanzunterrichts, der neben dem regulären Proben- und Vorstellungsbetrieb stattfindet, sind also nicht nur sehr komplex und anspruchsvoll, sie kosten auch tatsächlich enorme Kraft und Energie. Nicht nur deshalb legt Eliza Hołubowska Wert darauf, mit ihrem Unterricht auch Strategien der Stressbewältigung anzubieten sowie Humor und Spiel nicht zu kurz kommen zu lassen. Dann fällt es dem Einzelnen gar nicht mehr so auf, wie er durch harte Arbeit seine physischen und emotionalen Grenzen überschreitet, seine motorischen Fähigkeiten verbessert und seine körperliche Ausdauer erhöht. Da an diesen Zielen grundsätzlich in der Gruppe gearbeitet wird, stärken die Erfolge auch das Gruppengefühl und das Vertrauen ineinander, das wiederum eine wichtige Voraussetzung der täglichen Arbeit ist.

12 - How can I help you?


Reiko Pieper hat im Rahmen der Förderung der Kompetenzentwicklung in Kunst und Kultur aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) seit Herbst 2012 ein 14monatiges Fernstudium Englisch für Fortgeschrittene absolviert. Er brachte dazu nicht viel mehr als sein Schulenglisch mit, das nach dreizehn Jahren, die ihn mittlerweile von seiner Schulzeit trennen, durchaus etwas eingerostet war. In den wenigen Monaten, die er bei Studienbeginn an der Theaterkasse der Uckermärkischen Bühnen arbeitete, hatte Reiko – auch durch die Zusammenarbeit mit dem Tourismusverein Nationalpark Unteres Odertal e.V. – wieder mehr Kontakt mit der Sprache bekommen. Dennoch fielen ihm besonders die ersten Studienmonate schwer, weil ihm viele Vokabeln fehlten. Und da Arbeits- und Erläuterungstexte ebenso wie die zu bearbeitenden Aufgabenstellungen ausschließlich in Englisch verfasst waren, war die zu überwindende Hürde zumindest in den ersten Wochen nicht eben niedrig. Vor allem in dieser Zeit benötigte er deutlich mehr als die kalkulierten Wochenstunden.

Auch Reiko Pieper arbeitete monatlich ein Lernheft durch und bearbeitete auf Grundlage des dort Gelernten dann Fragestellungen und schrieb Aufsätze zu vorgegebenen Themen. Diese reichten vom eigenen Hobby über Politik bis hin zum Vergleich wissenschaftlicher Forschungsgebiete und verlangten so ein sehr breitgefächertes Vokabelwissen. Unterstützung fand er bei der Intendanzsekretärin Kerstin Witthuhn, die Russisch und Englisch studiert hat und nebenberuflich als Dolmetscherin arbeitet. Sie gab ihm Tipps und erläuterte grammatikalische Zusammenhänge. Doch die zur Bewertung einzureichenden Aufgaben hat Reiko selbständig gelöst. Das war ihm selbst sehr wichtig, weil er von Anfang mit großer Offenheit an das Studium heranging und an dem ehrlichen Fortschritt interessiert war, den er sich erarbeitete. Er gibt zu, dass er vor allem anfangs schon überrascht war über die guten Ergebnisse, die er erzielen konnte. Und da die Fehlerquote zunehmend sank, verbesserten sich auch die Bewertungen weiter.

Reiko Pieper beschreibt, dass sich sein Verstehen durch das Studium enorm verbessert hat. Das Sprechen fiele ihm nach wie vor schwer, da ihm die Übung, die Routine des Sprechens fehlt. Der Kontakt mit Touristen, ausländischen Besuchern der ubs oder ausländischen KollegInnen reicht dafür nicht aus, auch wenn er ihn gern nutzt. Auch das Einlesen einzelner Aufgabenlösungen für das Studium, das oftmals verlangt wurde, um die Aussprache kontrollieren zu können, hat seine Hemmungen nicht vollständig abbauen können. Aber es hat geholfen, zumindest ein wenig Sicherheit zu entwickeln. Auf jeden Fall sei das Studium mehr als eine Auffrischung des schon einmal Gelernten gewesen und habe seine Kenntnisse enorm erweitert. Sie wach zu halten, ist jetzt Reikos Herausforderung.

11 - Wo treffen sich Tourismus und Theater?


Branca Spreer ist Mitarbeiterin des Besucherservice der ubs. Sie arbeitet an der Theaterkasse und betreut Veranstaltungen im Abenddienst. Zusammen mit ihren KollegInnen ist sie der erste Ansprechpartner für jeden Besucher der Uckermärkischen Bühnen, berät unschlüssige Zuschauer bei der Wahl der „richtigen“ Veranstaltung, empfiehlt den günstigsten Sitzplatz, nimmt auch mal Beschwerden entgegen und hilft bei der Lösung von Problemen jeglicher Art. Seit September 2012 studierte die junge Frau im Fernstudium Tourismusmanagement. Möglich wurde das durch die Förderung der Kompetenzentwicklung in Kunst und Kultur aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF).

Aber was hat Tourismus mit Theater zu tun? Auf den ersten Blick gehören beide zur „Freizeitwirtschaft“, auf den zweiten Blick sind insbesondere Kulturtouristen häufig auch theaterinteressiert. Die Uckermärkischen Bühnen haben früh begriffen, wie wichtig die enge Zusammenarbeit mit Tourismusfachleuten für die eigene Arbeit und die Positionierung der eigenen „Produkte“ am Markt ist. Sie engagieren sich deshalb seit vielen Jahren in entsprechenden Vereinen und Interessenverbänden. Die ubs gehören zum Beispiel zu den Gründungsmitgliedern des Tourismusverbandes Uckermark und sind aktives Mitglied in der Arbeitsgruppe Kulturtourismus der TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH. Die ubs besuchen zunehmend Touristen, die mehr als nur eine Theaterkarte vermittelt bekommen möchten. Insbesondere bestimmte Jahreshöhepunkte, wie das Osterevent „Faust auf Faust“, sind für sie interessant.

Vor diesem Hintergrund hat Branca Spreer sich ein gutes Jahr lang mit den Grundlagen, der Psychologie und Soziologie des Tourismus und mit touristisch orientierten Marketingstrategien beschäftigt. Ein Ausbildungsschwerpunkt lag – wie schon der Name des Studiengangs vermuten lässt – auf dem Management und der Organisation von Prozessen und Mitarbeitern. Fähigkeiten, die Branca Spreer auch in ihrer täglichen Arbeit braucht, wenn sie Arbeitspläne erstellt, Gespräche mit Vereinen und anderen Multiplikatoren plant und Werbematerial an Schnittstellen verteilt. Darüber hinaus hat sie viel Neues erfahren. Das Fernstudium war so aufgebaut, dass Lernhefte zu unterschiedlichen Schwerpunktthemen durchzuarbeiten waren und zum Abschluss jedes Heftes verschiedene Aufgaben bearbeitet und zur Bewertung eingereicht werden mussten. Branca recherchierte zudem viel im Internet und nutzte den engen räumlichen und persönlichen Kontakt zu den Mitarbeiterinnen des Tourismusvereins Nationalpark Unteres Odertal e.V. sowie zu den mit touristischen Themen beschäftigten MitarbeiterInnen der ubs, um tiefer in die behandelten Themen einzusteigen. Sie wurde mit vertiefendem Arbeitsmaterial versorgt und auf interessante Pressemeldungen aufmerksam gemacht. Auf diese Weise absolvierte sie 16 Unterrichtseinheiten. Nach eigener Aussage hat ihr das Studium Spaß gemacht und war sehr interessant, da es aufgrund seiner thematischen Breite immer wieder neue Blickwinkel auf vermutet Bekanntes ermöglichte. Aber es war auch sehr arbeitsintensiv und stellte eine Belastung dar, die neben der täglichen Arbeit zu absolvieren war und die mehr als die ursprünglich veranschlagten acht Wochenstunden beanspruchte. Doch hat sich die Arbeit gelohnt: Branca ist selbst überrascht, wie positiv sie immer wieder abgeschnitten hat. Sie ist zu Recht stolz auf das Geleistete und hat sich vorgenommen, am Thema Tourismus – das sich ständig entwickelt und verändert – dran zu bleiben und sich weiter zu informieren. In ihrer Arbeit mit Besuchern der ubs werden ihr diese Erfahrungen auf jeden Fall helfen und in Zukunft wird Branca im Rahmen der Nachwuchsförderung auch zunehmend intensiver in die touristische Arbeit der Uckermärkischen Bühnen einbezogen werden. Die notwendigen Voraussetzungen hat sie mit ihrem Fernstudium in den vergangenen Monaten geschaffen.

10 – Freitagnachmittag - Sprech-Erziehung?


Was bitte ist denn Sprecherziehung? In der Erwachsenenbildung? Sprechen lernt man doch als Kind. Oder nicht? – Die Mitglieder des Schauspielensembles der Uckermärkischen Bühnen haben, gefördert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF), seit September 2012 wöchentlich „Sprecherziehung“. Die Stunden werden abgehalten von Anne Kolbe, Mitarbeiterin in der Praxis für Logopädie Petra Krieß in Schwedt/Oder. Der Begriff „Logopädie“ setzt sich aus den altgriechischen Worten lógos (das Wort) und paideuein (erziehen) zusammen, heißt wörtlich übersetzt also „Sprecherziehung“. Anne Kolbe ist staatlich geprüfte Atem-, Stimm- und Sprechlehrerin. Aber was kann sie denn nun den Schauspielern der ubs beibringen?

Eine ganze Menge, wie ein Blick in ihren Unterricht zeigt: Das klassische Arbeitsfeld der Logopädien liegt in der Therapie von Sprachfehlern. Diese treten zwar bei ausgebildeten Schauspielern eher selten auf, aber der Kampf gegen dialektale Färbungen und regionale Eigenheiten, den die meisten Schauspielstudenten während ihres Studiums auszufechten haben, ist mitunter ziemlich hart. Denn auch in ihrer Ausbildung haben angehende Schauspieler bereits Sprecherziehung. Wie alle handwerklichen Fähigkeiten wollen aber auch die Stimme und das Sprechen nach dem erfolgreichen Studienabschluss weiter trainiert werden. Dafür gibt es klassische Übungen, die jeder Darsteller – wie ein sportliches Training – regelmäßig in Eigenregie absolviert. Eine Sprecherzieherin kann ihm jedoch helfen, seinen Stimmapparat besser zu verstehen und ihn dadurch besser zu nutzen, aber auch zu pflegen, eingeschliffene Fehler (auch im täglichen Training) zu korrigieren und ihm neue Wege zu zeigen, seine Stimme umfänglicher und sicherer zum Einsatz zu bringen.

Um das zu erreichen, ist das Atmen, der Weg des Atems im Körper, die Kontrolle und Steuerung der Atmung sehr wichtig. Denn ohne Atem können die menschlichen Sprechorgane keinen Laut produzieren bzw. lässt wenig Atem nur einen kleinen, also leisen, Laut entstehen. Schon darin zeigt sich, dass eine Logopädin nicht nur den menschlichen Körper, sondern auch die Grundregeln der Physik kennen muss.

Ein Schauspieler, vor allem wenn er auf einer großen Bühne wie der der Uckermärkischen Bühnen steht, muss seiner Stimme ein großes Volumen geben können, um – ohne technische Hilfsmittel – auch noch in der letzten Reihe des Saales gehört werden zu können. Und das soll bitte auch noch unangestrengt wirken! Deshalb ist neben der Atmung die Entspannung sehr wichtig, die Grundbedingung eines organischen Stimmsitzes. Und so nehmen im Unterricht von Anne Kolbe Entspannungstechniken einen nicht unwesentlichen Raum ein. Immer wieder sind selbst erfahrene Darsteller überrascht, wie schwer es ihnen einerseits fällt, die Kontrolle abzugeben und loszulassen, und wie groß andererseits die Wirkung auf ihren Körper und dadurch auf ihre Stimme ist. Dieses Wissen hilft ihnen, auch noch in kritischen Situationen – wie schon eine simple Erkältung sie für einen Schauspieler darstellen kann – arbeitsfähig zu bleiben, ohne die Stimme irreparabel zu schädigen, oder auch einzuschätzen, wann das nicht mehr möglich ist. Aber eine Vorstellung abzusagen und die Zuschauer nach Hause zu schicken, ist dann doch immer die letzte Wahl.

Der Unterricht von Anne Kolbe, der vielleicht besser Stimmtraining als Sprecherziehung genannt zu werden verdient, erfährt starken Zuspruch, nicht nur von Seiten der Schauspieler, sondern auch durch die Souffleusen. Für diese ist die Aufgabenstellung nun wieder eine ganz andere: Sie sollen nach Möglichkeit von den Zuschauern im Saal gar nicht, von den Schauspielern auf der Bühne aber unbedingt laut und deutlich verstanden werden. Auch hierbei hilft die Kontrolle der Stimme und das Wissen um ihre Möglichkeiten. Und – als Ergänzung zur Entspannung auf keinen Fall zu vernachlässigen – die kontrollierte Anspannung des Körpers, im Schauspielerjargon „Stützen“ genannt, um die Stimme ohne Anstrengung weit zu senden.

Da die zu lösenden Aufgaben so individuell sind, die Stärken und Schwächen des Einzelnen sich sehr unterscheiden, findet Stimmtraining überwiegend in Einzelstunden statt, in denen sich die Logopädin gezielt auf den jeweiligen Klienten einstellen kann. Punktuell gibt es aber auch Gruppenunterricht, weil insbesondere auf der Bühne das gemeinsame Atmen und das gemeinsame Sprechen eine besondere Herausforderung darstellt, die ebenso trainiert werden muss, wie das individuelle Sprechen.

09 - Das papierlose Planungsbüro


Im Künstlerischen Betriebsbüro laufen alle Planungsprozesse zusammen; hier schlägt das organisatorische Herz eines Theaters – auch das der Uckermärkischen Bühnen. Um arbeitsfähig zu sein, ist das KBB – wie es im abkürzungsfreundlichen Alltagsjargon heißt – darauf angewiesen, ständig alle Informationen zur Verfügung zu haben, die die komplexen Planungsprozesse der ubs beeinflussen. Umgekehrt sind die Abteilungen darauf angewiesen, dass das KBB diese Informationen rasch koordiniert und weitergibt. Viele Jahre wurden diese Prozesse „von Hand“ gesteuert. In einem großen schwarzen Buch wurden mit Bleistift alle Proben, Veranstaltungen, Wartungsarbeiten usw. eingetragen, ausgewertet und per mündlicher oder schriftlicher Abstimmung weitergegeben. Doch je komplexer die Prozesse wurden, je mehr Informationen zu verarbeiten waren, desto aufwendiger und komplexer wurde der Kommunikationsaufwand und desto unübersichtlicher die zu lenkenden Prozesse. Deshalb wurden von Softwarefirmen Lösungen entwickelt, die mittels Datenbanken die eingepflegten Informationen zum Teil selbst auswerten und koordinieren und durch verschiedene Schnittstellen allen angeschlossenen Arbeitsplätzen den Zugriff ermöglichen, so dass einerseits die Geschwindigkeit der Datenübermittlung und andererseits die Transparenz dieser Prozesse enorm erhöht werden kann. Und das hilft im Endeffekt allen Mitarbeitern eines mit Hilfe einer solchen Dispositionssoftware gesteuerten Betriebes, weil gleichzeitig auch Fehlerquellen deutlich reduziert werden.

Nach aufwendigen Recherchen, langen Abstimmungsprozessen und vieler Überzeugungsarbeit entschlossen sich 2012 auch die Uckermärkischen Bühnen, zukünftig eine entsprechende Software zu nutzen. Nun weiß aber jeder PC-Nutzer, dass eine Software nur dann optimal genutzt werden kann, wenn man sie und ihre Tricks bis ins Detail kennt und im Umgang mit ihr geübt ist. Deshalb wurden im Herbst / Winter 2012/13 ausgewählte MitarbeiterInnen in mehreren Stufen in die Nutzung der Dispositionssoftware eingeführt und in ihrer Handhabung geschult. Dazu gehörten neben den Mitarbeiterinnen des Künstlerischen Betriebsbüros die Abteilungsleiter der technischen Gewerke, Bühnentechnik, Ton, Beleuchtung, Werkstätten und Ausstattung. Sie können nun die Dienstpläne für ihre MitarbeiterInnen direkt auf der Grundlage der in der Software eingepflegten Veranstaltungs- und Probenzeiten erstellen. Auch der Aufwand für die anschließende Abrechnung der Dienstzeiten hat sich verringert. Sämtliche Prozesse sind transparenter geworden und lassen sich leichter kontrollieren. Schon frühzeitig sind jetzt Planungsfehler oder Engpässe erkennbar, was es möglich macht, langfristige Lösungen zu finden. Viele Pläne, die für die tägliche Arbeit notwendig sind und die früher per Hand erstellt werden mussten, lassen sich jetzt per Knopfdruck aus den vorhandenen Daten erstellen. Und die freiwerdenden Arbeitszeiten können wieder für das Wesentliche verplant werden: die Kunst.

Dass die Schulung der Mitarbeiter im Umgang mit dieser Software möglich war, verdankt sich der Förderung aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds zur Kompetenzentwicklung in Kunst und Kultur. Und die Optimierung von Planungsprozessen und Managementaufgaben ist ein wesentlicher Aspekt bei der Erhaltung und dem Ausbau der Leistungsfähigkeit von Kulturbetrieben.

08 - Maske, die Zweite oder: Wie Farbe in die Arbeit kommt


In einem weiteren Seminar mit Dennis Penkov von der Firma Skinart Berlin lernten die drei Maskenbildnerinnen der Uckermärkischen Bühnen u.a., lebensecht wirkende offene Wunden zu gestalten. Dabei kamen wiederum verschiedene Techniken und Materialien zum Einsatz: Zuerst wurden sowohl mit Hilfe offener als auch mit Hilfe geschlossener Formen – die die Wunden bereits vorgeformt abbildeten – Silikonabgüsse hergestellt. Dazu werden die Matrizen mit Puder vorbehandelt, damit sich das Silikon nach dem Festwerden gut aus der Form lösen lässt, und anschließend mit dem flüssigen Silikon ausgegossen. Dabei ist große Vorsicht und Ruhe notwendig, da sonst die Gefahr besteht, dass sich Luftblasen oder Falten im Material bilden, die im schlimmsten Fall das ganze Stück unbrauchbar machen. Nachdem das Silkon fest geworden ist, wird der Abdruck mit einer Schere beschnitten, an den Rändern abgeflacht, um ihn dann – ohne unrealistische Stufenbildung – auf der Haut zu applizieren.

Natürlich sieht niemand dem Silikon tatenlos beim Festwerden zu. Währenddessen werden Pinsel, Spatel und Rührbecher ausgewaschen, Farben vorbereitet, die Airbrushpistole zusammengeschraubt. Einfach die nötige Ordnung für die weitere Arbeit hergestellt.

Aber dann! Wird der Silikonabdruck vorsichtig aus der Form gelöst. Wieder besteht die Gefahr, dass der Abdruck reißt oder sonst Schaden nimmt. Kleine Risse lassen sich mit ein wenig flüssigem Silikon reparieren, das mit einem Pinsel aufgetragen wird und wie ein Klebstoff wirkt. Nach dem Auslösen wird der Abdruck gesäubert und mit Silikonkleber oder medizinischem Mastix aufgeklebt – in diesem Fall auf den Arm von Anne Haller, die ihn anschließend – noch ist er weiß durchscheinend, unscheinbar und wirkt eher langweilig als beunruhigend – zuerst mit Pinsel und Theaterblut bearbeitet, bevor sie zur Airbrushpistole greift, um die Übergänge zu behandeln.

Die Airbrush-Technik bietet gegenüber dem Pinsel den Vorteil, dass der Farbauftrag sehr fein ist und Farbverläufe und Übergänge – wie in diesem Fall zwischen dem Silikon und der Haut – dadurch besonders realistisch gestaltet werden können. Deshalb wird diese Technik auch gern beim Film verwendet, wo die realistische Darstellung auch kleinster Details eine viel größere Rolle spielt als im Theater. Auf der Theaterbühne ist ein aus der Nähe betrachtet realistisches Make-Up meist eher hinderlich, weil durch das Bühnenlicht und durch die Entfernung, die der Zuschauer zur Bühne einnimmt, viel von der Wirkung „geschluckt“ wird und der Schauspieler „nackt“ aussieht. Deshalb ist die Maske, die dem Theaterschauspieler aufgetragen wird, prägnanter als beim Film und eher überdeutlich. Doch mitunter muss die Maskenbildnerin auch die „leisen Töne“ anschlagen: wie eben bei der Herstellung von wirklich beunruhigenden, weil lebensecht wirkenden klaffenden Wunden. Ein Grund mehr, warum Maskenbildnerinnen am Theater ein großes Repertoire haben müssen: Weil sie sowohl für die Große Bühne als auch für das intime theater arbeiten, für die große Entfernung ebenso wie für durch Videoprojektionen oder Fotos überdimensional vergrößerte Details.

Anne jedenfalls war mit ihrem Werk sehr zufrieden und trug es den Rest des Tages stolz mit sich herum.

Silikonabdrücke sind übrigens wiederverwendbar. – Gut für die Umwelt und gut für das Budget, sowohl in finanzieller Hinsicht als auch was die zu investierende Arbeitszeit betrifft. Und es erleichtert die Arbeit der Maskenbildnerin, die ihre Arbeit für jede Vorstellung einer Inszenierung immer 100%ig reproduzieren können muss.

07 - Wie kommuniziere ich?


Im Rahmen des Projektes „Mitarbeiter- und Unternehmsqualifikation 2012/13“ gefördert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds nahmen die MitarbeiterInnen der Öffentlichkeitsarbeit an einem Seminar zum Thema Beschwerdemanagement teil. Das Seminar fand an einem Wochenende statt, ein Teil der KollegInnen musste im Anschluss noch zum Dienst, weil am Abend eine Premiere auf dem Spielplan stand. Doch trotz der hohen in den letzten Monaten des Jahres üblichen Belastung, waren die SeminarteilnehmerInnen motiviert und sehr konzentriert bei der Sache: Denn sie hofften Antworten auf Fragen zu bekommen, die ihnen in ihrer Arbeit jeden Tag begegnen und auf die sie keine Ausbildung vorbereitet hat.

Im Rahmen des Seminars lernten sie, sich selbst und die Wirkung ihres Auftretens auf den Gesprächspartner genauer wahrzunehmen. Sie untersuchten die Wirkung bestimmter Formulierungen und die Rollenverteilung in einem Gespräch. Sie machten sich bewusst, wie wichtig es ist, positiv zu denken und zu kommunizieren, auch wenn der Tag lang und anstrengend war oder Probleme an einen herangetragen werden, die man weder selbst verursacht hat, noch lösen kann. Große Aufmerksamkeit wurde dabei dem Zuhören gewidmet: Wie höre ich zu? Was nehme ich wahr? Was überhöre ich?

Die gelernte Theorie wurde in praktischen Übungen überprüft und trainiert. Dabei war allen bewusst, dass jedes Gespräch neu beginnt und immer einen überraschenden Verlauf nehmen kann, aber die Sicherheit im Umgang mit dem Gesprächspartner, die kann trainiert werden. Und die bewusste Selbstwahrnehmung, die einem bei der Kommunikation hilft, weil sie die Reaktion des Gegenübers verständlicher machen kann, kann ebenso jeden Tag geübt werden. Diese Erkenntnis, die gerade in den unmittelbar auf das Seminar folgenden Tagen den Teilnehmern untereinander noch reichlichen Gesprächsstoff bot, führte dann beinahe zwangsläufig zum Kerngedanken des Seminars: Dass eine „Beschwerde“ immer zuerst als Hinweis und Anregung zur Verbesserung zu verstehen ist. In diesem Sinne wurde der Nutzen von Beschwerden herausgearbeitet und wie dieser in das Unternehmen fließen kann, um erkannte Mängel abzustellen und benannte Probleme zu lösen. Natürlich sind auch diesen positiven Bestrebungen Grenzen gesetzt: Zu akzeptieren, dass nicht jedes Problem lösbar ist und nicht jede Kritik, so gut sie gemeint ist, positiv umsetzbar, gehörte für die meisten Seminarteilnehmer zur schwersten an diesem Wochenende zu lernenden Lektion.

06 - Body Building für die Stimme


Email-Interview mit Saskia Dreyer, Schauspielerin, über den Gesangsunterricht

Seit Herbst 2012 hat das Schauspielensemble der Uckermärkischen Bühnen Schwedt die Möglichkeit, im Rahmen des aus dem Europäischen Sozialfonds geförderten Projektes „Mitarbeiter- und Unternehmensqualifikation 2012/13“ regelmäßig Gesangsstunden zu nehmen. Die Nachfrage ist groß. In der Woche können maximal fünf Stunden gegeben werden, die aufgrund der Unterrichtsform Einzelstunden sind.
Aber warum nimmt jemand, der eine Ausbildung als SchauspielerIn oder MusicaldarstellerIn absolviert und erfolgreich abgeschlossen hat, immer noch Gesangsunterricht? Was lernt er da? Und warum genügt nicht, was er während des Studiums gelernt hat?
Darüber habe ich Saskia Dreyer befragt:

Saskia, Du hast an der Bayerischen Theaterakademie August Everding in München Musical studiert, d.h. Du hattest Gesangs-, Tanz- und Schauspielunterricht. Warum nimmst Du jetzt – nachdem Du schon seit zwei Jahren im Beruf bist – immer noch Gesangsstunden?


Meiner Meinung nach lernt ein Mensch nie aus! Ein Schauspieler ist mit Beendigung seiner Ausbildung noch lange nicht fertig. Ich habe in meinem Studium sehr viel gelernt, Techniken, Grundlagen usw. Die Tür zur Bühne wurde einen kleinen Spalt aufgemacht, aber um durch die Tür hindurchgehen zu können, bedarf es meiner Meinung nach viele Jahre des Übens und vor allem auch der Erfahrung.
Es ist einfach ein Unterschied, ob man sich im geschützten Raum des Studiums befindet oder ob man an einem Theater engagiert ist, für sich selbst verantwortlich ist und Dinge erfüllen muss, die z.B. ein Regisseur von einem erwartet.
Ich finde es großartig, dass wir am Theater Gesangsunterricht haben.

Was unterscheidet den Gesangsunterricht, den Du jetzt bekommst, von dem während des Studiums?

Die Stimme ist ein Muskel, der regelmäßig trainiert werden muss. Um die täglichen Anforderungen auf der Bühne erfüllen zu können, muss man im Training bleiben, sonst verändert sich die Stimme, wird z.B. tiefer oder einfach unflexibler.
Mein Gesangsunterricht während des Studiums war sehr gut. Das Interessante am jetzigen Unterricht ist, dass unsere Lehrerin die „Estill Voice Technique“ unterrichtet. Hierbei lernt man den ganzen Stimmapparat genauestens kennen. Man lernt z.B., Gaumensegel, Kehlkopf, Zunge usw. technisch so zu benutzen, dass man den Stimmklang erzeugen kann, den man möchte. Je besser man das beherrscht, desto verschiedener sind die Stilrichtungen, die man singen kann.

Was lernst Du? Was übst Du?

Der Unterricht besteht größtenteils aus Übungen. Gegen Ende arbeiten wir immer an einem Lied meiner Wahl. In den letzten Wochen haben wir an Stücken aus „Romeo und Julia“ gearbeitet. Ansonsten suche ich mir Lieder, wo ich einfach merke, irgendetwas stimmt noch nicht ganz, aber nicht weiß, wie ich das lösen kann.
Dann gehe ich einfach zu Doro in den Unterricht und verlasse danach mit einem Strahlen im Gesicht den Raum! ?

Ich danke dir für das Interview und deine Zeit!

05 – Januar - Maske, die Erste oder: Wie ein Kopf entsteht

Im Januar und Februar haben die drei Maskenbildnerinnen der Uckermärkischen Bühnen trotz zahlreicher Vorstellungen, Abstecher und Premierenvorbereitungen – kaum vorhandenen zeitlichen Freiräumen also – an umfangreichen Qualifizierungsmaßnahmen teilgenommen. Um dies zu ermöglichen, wurden freie Tage verschoben und Zeitressourcen abgeknapst, wo es nur ging. Denn gewünscht haben die drei sich diese Qualifizierungen schon lange, verändern sich doch auf ihrem Arbeitsgebiet ständig Materialien, Techniken und Möglichkeiten, die man sich nicht immer autodidaktisch aneignen kann. Durch die Förderung aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) wurden nun spezifisch auf die Bedürfnisse der Schwedter Maskenbildnerinnen zugeschnittene und deshalb besonders intensive und effiziente Seminare möglich. Durchgeführt wurden sie von Dennis Penkov von der Firma Skinart Berlin.


Was kann ein Maskenbildner noch lernen, der beinahe täglich Schauspieler in Elfen, Außerirdische und Märchenwesen verwandelt? Was verbirgt sich hinter „Dummybau mit Silikon“, „Prosthetik in Schaum“ und „Open Moulds“? Und was ist „RUD“? – „RUD“ ist die Abkürzung für Reale Unfall-Darstellung. Gut, darunter kann man sich etwas vorstellen, wenn es auch nicht sehr angenehm klingt. Überhaupt ist die Arbeit einer Maskenbildnerin (oder eines Maskenbildners) durchaus körperlich anstrengend und weder ungefährlich noch in jedem Fall appetitlich. Grundsätzlich spielt Chemie keine unwesentliche Rolle, dazu gehört auch die zwischen Maskenbilder und Schauspieler.


Denn auch für letztere ist die Zeit auf dem Maskenstuhl keineswegs immer ein Vergnügen, wie gleich die erste Unterrichtseinheit sehr eindrücklich zeigte. Es wurde ein Kopfabdruck genommen: Gesicht und Hinterkopf, Schädeldecke, Nacken, Kinn und Hals – alles gleichzeitig. Atmen ist unter diesen Umständen nur sehr bedingt möglich. Eine Neigung zu Panikattacken wenig hilfreich. Dem Delinquenten wurde eine Glatze angepasst, er wurde eingecremt und anschließend mit Silikon „verkleidet“, bevor sein Kopf mit Gipsbinden umwickelt wurde – von vier Maskenbildnern gleichzeitig, unterstützt immer wieder durch Hinweise und theoretische Erläuterungen. Denn der Maskenbildner kann jede Technik nur dann optimal anwenden, wenn er versteht, wie sie warum funktioniert und welche Fehler auftreten können und vermieden werden müssen. Das Entfernen des Abdrucks war dann aber doch das Nervenzehrendste, da sich eben – trotz Glatze und Creme – doch nie hundertprozentig verhindern lässt, dass sich ein Haar ins Silikon verirrt ...


Der Gipsabdruck wurde dann bearbeitet und zuletzt mit Silikon ausgegossen. Ein erstaunlich lebensechter Kopf war das Ergebnis, der in einer weiteren Lektion mit Airbrush-Technik zeitaufwendig gestaltet wurde. Das Ergebnis wird in der Inszenierung „The Rocky Horror Show“ demnächst über die Bühne rollen: Der Kopf von Eddie Scott. Und weil so ein Kopf in Proben und Vorstellungen erheblichen Belastungen ausgesetzt wird, wie sich die Zuschauer bald überzeugen können, wurde noch ein Kopf hergestellt und noch ein Kopf und noch ein Kopf ...

04 – Dezember - Da wo die Bienen summen und stehn die wilden Blumen ...

Im Rahmen der Qualifizierungsmaßnahmen unterstützt aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) erhielten im Dezember und Januar zwei erfahrene und beliebte Kollegen aus dem Schauspielensemble der Uckermärkischen Bühnen Unterricht auf der Ukulele. Unterrichtet wurden sie von einem dem Schwedter Publikum nicht minder bekannten Schauspieler und Musiker. Die Rede ist von Uwe Heinrich, Udo Schneider und Matthias Manz.


Was merkwürdig klingt, hatte einen ganz pragmatischen Hintergrund: Schauspieldirektor Gösta Knothe inszenierte „Das Ende vom Anfang“ von Sean O’Casey. Ein höchst komischer Einakter, in dem zwei Männer aufgrund einer unglücklichen Wette den Versuch unternehmen, sich möglichst zeitsparend der Hausarbeit zu entledigen, und dabei mehr Schaden als Nutzen anrichten. Doch bevor es soweit kommt, probieren sie für ein kleines Konzert, ein anzügliches Lied, zu dem sie sich selbst begleiten – in der Inszenierung von Gösta Knothe eben auf besagter Ukulele.


Die Ukulele ist ein zierliches, gitarrenähnliches, mit vier, sechs oder acht Saiten bespanntes Zupfinstrument und stammt ursprünglich aus Hawaii. Regisseur Knothe entschied sich für dieses Instrument wegen seiner geringen Größe und der daraus resultierenden komischen Wirkung in den Händen eines erwachsenen Mannes. Gegenstand des Unterrichts war nicht nur das Erlernen der Griffe, die für die Begleitung des Liedes notwendig waren: Uwe Heinrich und Udo Schneider erwarben auch Hintergrundwissen zu Instrumentengeschichte und -herkunft sowie notwendige Grundkenntnisse, wie das Stimmen und die Pflege der Ukulele, die Voraussetzung des Spiels auf dem Instrument sind.


Glück war, dass mit Matthias Manz ein Lehrer für dieses seltene Instrument gefunden wurde, der zudem auf die besonderen Anforderungen eines musizierenden Schauspielers einzugehen versteht. Ist er doch selbst nicht nur vielseitig begabter Musiker, der eine ständig wachsende Zahl an Instrumenten beherrscht, sondern seit vielen Jahren auch ein beliebter Schauspieler. Und so wurde die Szene im „Ende vom Anfang“, in der die beiden Hauptfiguren Barry und Darry sich beim Singen und Spielen unentwegt zu übertrumpfen suchen, ein herrlich komisches Kabinettstück, dem man die Anstrengungen des wochenlangen Unterrichts nicht mehr anmerkt. Stattdessen spürt der Zuschauer den Spaß der Schauspieler an jedem komischen Detail, am Spiel miteinander und für das Publikum und nicht zuletzt dem an dem unkeuschen Liedtext: „Da wo die Bienen summen und stehn die wilden Blumen ...“

03 – Oktober 2012 - Wir sind ein Toaster!


(Email-) Interview mit Daniel Heinz, Schauspieler, über den Workshop Theatersport

Anfang Oktober nahm das Schauspielensemble der Uckermärkischen Bühnen Schwedt an einem dreitägigen Workshop Theatersport teil. Die Begeisterung für das dort Gelernte ist so groß, dass man den Workshop gern wiederholen bzw. fortsetzen möchte. Da interessiert uns, die wir nicht dabei waren, natürlich, was ist es, was man in einem solchen Workshop lernen kann?
Darüber soll uns Daniel Heinz Auskunft geben:


Daniel, was ist Theatersport? Bzw. was hat Theater mit Sport zu tun?
Beim Theatersport treffen zwei aus Schauspielern bestehende Mannschaften in der Arena, der Theaterbühne, aufeinander. Sie improvisieren. Das Publikum führt dabei mit seinen Vorschlägen zu Ort & Raum oder zu einem Gefühl oder Titel die Regie. Ein Moderator vermittelt zwischen dem Geschehen auf der Bühne und den Zuschauern. Am Ende des Abends wählt das Publikum den Sieger des Impro-Wettkampfs – wie Punktrichter beim Sport.

Und wie stell ich mir einen Workshop Theatersport vor? Was lernt man da?
Man trainiert für den Moment, in dem zwei Schauspieler die Bühne betreten, ohne zu wissen, was genau geschehen wird.
Immer wieder gab es die Anweisung der Werkstatt-Leiterin, alles zu vergessen, was wir uns in unseren Köpfen schon so an Ideen zurechtgelegt hatten. Die Spielidee wird im Moment geboren. Kein Text, keine Orts- und Zeitvorgabe, keine Regieanweisung. Im Vordergrund steht das unmittelbare Zusammenspiel mit dem Partner auf der Bühne. Zug um Zug. Und, ja, das unerschütterliche Vertrauen darauf, dass uns etwas in den Sinn kommen wird.
Doch bis es zu den ersten Gehversuchen in der Improvisation miteinander kam, machten wir Gruppenspiele im Kreis, die unsere Wahrnehmung und Konzentration und vor allem Spontanität trainierten. Wir haben Wohnungen getauscht, Felsbrocken aufeinander geworfen, Rot empfangen, Blut weitergegeben, Fehler bejubelt und „Ja, das machen wir!“ gebrüllt, bevor wir zu Toastern wurden.

Das klingt sehr nach den berühmten Grundlagen des Schauspielhandwerks. Lernt ihr die nicht schon auf der Schauspielschule?
Ja, natürlich, das kennt man im Wesentlichen aus dem Grundlagenseminar Schauspiel.

Dann konntet ihr doch schon, was man euch beibringen wollte. Wozu dann der Workshop?
Ja und nein. Eine Auffrischung des einmal Gelernten ist wichtig, ein Besinnen auf das Handwerk und das Ergänzen dessen, was man schon beherrscht. Und der interessanteste Effekt unter den Kollegen war, dass man wieder bewusster aufeinander hört und auf die Spielangebote des Partners eingeht, die Situation entstehen lässt und nicht abspult, was einmal verabredet wurde. – Dennoch gibt es einen Unterschied zwischen klassischem Schauspiel und Improvisation.

Welchen?
Du hast keinen Text, du gehst ohne festgelegte Situation auf die Bühne. Nichts ist geplant oder einstudiert. Vorgänge entstehen erst auf der Szene aus dem Moment.

Ein Anlass für diesen Workshop war unter anderem der bevorstehende Probenbeginn für die Inszenierung „Biss zum Schluss“, in der das Publikum direkt in die Spielhandlung einbezogen wird und die Möglichkeit hat, diese durch eigene Vorschläge zu beeinflussen. Wie lässt sich das Gelernte in der Probenarbeit jetzt umsetzen? Wie probiert man das Nichtplanbare?
Das Gelernte lässt sich sehr gut in der Probenarbeit nutzen. Wir trainieren das Spontane, die Offenheit für den Partner Publikum und die Situation. Wir üben auch das freie Assoziieren. Das ist eine große Hilfe, um Sicherheit zu gewinnen, wenn man nicht alle Details vorher kennt. Bei „Biss zum Schluss“ wird das Publikum aufgefordert, Begriffe einzuwerfen, mit denen wir dann durch die ganze Geschichte hinweg umgehen müssen. Das trainieren wir: In jeder Probe mit einem neuen Namen, einem neuen Beruf, einem neuen Ort. Wir benutzen immer neue Situationen und das fällt durch die ständige Übung zunehmend leichter. Was auch ganz wichtig ist, ist das Wissen: Wenn Daniel sich das nicht merkt, hilft Uwe, wenn Uwe es vergisst, springt Claire ein. Sich aufeinander verlassen können, ist immens wichtig. Trotzdem muss man sehr wach sein und das haben wir halt trainiert. Das hat aber auch ungeheuer Lust gemacht und auf jeden Fall die Angst genommen.

Wie lange werdet ihr noch trainieren?
Die Premiere ist am 16. November 2012. Dann können sich auch die Zuschauer davon überzeugen, wie anders jeder Abend dank ihrer Beteiligung sein kann. Ich bin gespannt, wie das Publikum reagiert, aber wir gehen natürlich davon aus, dass die Zuschauer Spaß an dieser Form haben werden.

Ich danke dir für das Interview und deine Zeit!

02 - Montagmorgen, 9.30 Uhr - Pracuję w teatrze w biurze promocji


Seit zwei Wochen treffen sich montags, um 9.30 Uhr, die MitarbeiterInnen der Öffentlichkeitsarbeit sowie eine Mitarbeiterin der Verwaltung und zwei MitarbeiterInnen des Tourismusvereins Nationalpark Unteres Odertal e. V., um gemeinsam die polnische Sprache zu lernen. Sowohl in den ubs als auch im Tourismusverein hat die Zahl polnischer Besucher in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Deshalb hatten die MitarbeiterInnen seit langem den Wunsch, die wenigen bekannten polnischen Vokabeln aufzustocken und die Sprache des Nachbarlandes wirklich – mit allem, was dazu gehört – zu lernen. Möglich wurde das jetzt durch die Zuwendung aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF), die den Uckermärkischen Bühnen zuteil wird.

Den Polnischunterricht erteilt Magdalena Blimel-Zietkiewicz, die den Theaterbetrieb gut kennt, da sie häufiger Gast der Schauspielinszenierungen der ubs ist und im Seniorenkabarett „Die Schwedter Stechäpfel“ auch selbst auf der Bühne steht. Doch eigentlich ist Magda Zietkiewicz Journalistin und arbeitet seit vielen Jahren sowohl in Polen als auch in Deutschland als Lehrerin für Sprachen – Deutsch, Polnisch, aber auch Tschechisch. Ihre SchülerInnen schätzen ihren lebendigen Unterricht, der sich sehr an ihrem Arbeitsalltag orientiert. Zuerst haben sie gelernt, jemanden zu begrüßen und sich selbst vorzustellen: Dzień dobry! (Guten Tag!) Nazywam się ... (Ich heiße ...) Pracuję w teatrze w biurze promocji. (Ich arbeite im Theater im Büro Öffentlichkeitsarbeit.) – Die zweiten Stunde eröffnete Pani Zietkiewicz dann mit einem kleinen Bericht über ihren Besuch der Premiere „Biedermann und die Brandstifter“, der ihr gezeigt habe, dass es sehr wichtig ist, dass ihre SchülerInnen – neben dem bereits bekannten „Guten Tag!“ – lernen, „Guten Abend!“ zu sagen. Also übten – morgens um 9.30 Uhr – alle die Aussprache von „Dobry wieczór!“

Bei aller Ernsthaftigkeit und Anstrengung des Unterrichts sind die PolnischschülerInnen mit großem Engagement und Freude bei der Sache. Bereits nach der ersten Stunde konnten am Kurs unbeteiligte Mitarbeiter erleben, wie man sich auf den Gängen auf Polnisch begrüßte, um das Gelernte zu wiederholen und anzuwenden. Der Unterricht findet wöchentlich statt. In einem zweiten Kurs erlernen die Damen und Herren des Schauspiels die Sprache des Nachbarlandes, mit dessen Theatern häufig Kooperationen stattfinden. Für die Aufteilung in zwei Kurse gab es sowohl inhaltliche als auch logistische Gründe: Das Schauspielensemble ist am Montagmorgen, wenn nicht in Vorstellungen, doch in den regulären Proben beschäftigt. Sein Unterricht findet deshalb an einem Nachmittag statt. Doch in dieser Zeit gehen die MitarbeiterInnen der Öffentlichkeitsarbeit ihren regulären Aufgaben nach: Stimmen Termine ab, verkaufen Karten, beantworten Telefonanfragen, verteilen Informationsmaterial. Zudem wird die Aufteilung durch die jetzige Kursgröße gerechtfertigt: Um den Unterricht lebendig und für jeden fruchtbar zu gestalten, sollte die Gruppenstärke nicht zu groß werden. Bisher bestätigen die Erfolge und die Zahl der interessierten KollegInnen diese Entscheidung.

01 - Start!

Die Uckermärkischen Bühnen Schwedt erhalten zur Förderung der Kompetenzentwicklung in Kunst und Kultur eine Zuwendung aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) nach der Richtlinie des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur (MWFK) Brandenburg.

Die ubs erhalten diese Zuwendung, um die Strategiefähigkeit des Kulturbetriebes ausbauen zu können und die Qualifikation ihrer Mitarbeiter zu unterstützen. Dadurch werden u. a. Gesangs- und Bewegungsunterricht sowie Stimmtraining für die Mitglieder des Schauspielensembles, Polnischunterricht für die MitarbeiterInnen des Besucherservice und Schulungen der Maskenbildnerinnen für den Umgang mit neuen Materialien und Techniken möglich. Davon profitieren letztlich die Besucher der ubs – die Zuschauer der Inszenierungen des hauseigenen Schauspielensembles ebenso wie Besucher anderer Veranstaltungen, Mieter von Räumlichkeiten und sonstigen Dienstleistungen.

Die in den vergangenen Jahren stetig gestiegene Zahl an Veranstaltungen und Verpflichtungen hat zudem zu einem deutlich erhöhten Dispositions- und Kommunikationsaufwand geführt. Dieser Aufwand muss zukünftig trotz gleichbleibend dünner Personaldecke effizienter gestaltet werden, um Handlungsspielräume zurückzugewinnen und das Zusammenspiel des Gesamtorganismus Theater weiterhin störungsfrei gestalten zu können. Die Kernaufgabe der Planungsoptimierung wird durch ein zu modernisierendes und den sich verändernden gesellschaftlichen Gegebenheiten anzupassendes Managementwesen ergänzt werden, für das – dank des Europäischen Sozialfonds – die entsprechenden Mitarbeiter ebenfalls geschult werden.

Die Qualifikation der Unternehmsstrukturen und Mitarbeiterfähigkeiten wird gleichermaßen als Investition in die Zukunft der Uckermärkischen Bühnen wie in die des Kulturstandortes Schwedt/Oder verstanden.

Der Europäische Sozialfonds (ESF) ist das wichtigste Finanzierungsinstrument der EU zur Umsetzung der beschäftigungspolitischen Ziele in den Mitgliedsländern. Der ESF wird für arbeitspolitische Fördermaßnahmen genutzt, die unter dem Leitmotiv „In Menschen investieren – Regionen stärken“ stehen. Deshalb werden wir in den nächsten Monaten – das Programm soll bis Dezember 2013 laufen – an dieser Stelle über Einzelmaßnahmen, Fortschritte und Zwischenstände berichten. Das ist auch eine Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und Mitarbeiter, ihre Berufe und die spezifischen, mitunter sehr komplexen Aufgabenprofile etwas genauer kennenzulernen.