Sonnensegel Ausgabe 29.6.2010





Eröffnung des 17. Schultheaterfestes


Eröffnung des 17. Schultheaterfestes
Bild: Eröffnung des 17. Schultheaterfestes
Zur Eröffnung des 17. Schultheaterfestes gab es Musik, Obst, die inzwischen fast Tradition gewordenen Schaumküsse und freundliche Worte zur Begrüßung der teilnehmenden Schüler und Spielleiter. Diese wurden gesprochen von Reinhard Simon, dem Intendanten der Uckermärkischen Bühnen Schwedt, von Lutz Herrmann, Beigeordnetem der Stadt Schwedt/Oder, der den angekündigten Staatssekretär für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg, Burkhard Jungkamp, vertrat, und von Astrid Lehmann, der Vorsitzenden der Brandenburgischen Landesarbeitsgemeinschaft für Darstellendes Spiel in der Schule e.V. Frau Lehmann beglückwünschte die anwesenden Schüler zu ihrem Entschluss, die kommenden vier Tage - trotz des schönen Wetters - in abgedunkelten und schlecht gelüfteten Räumen auszuharren - aus einem einzigen Grund: Theater zu spielen und Theater zu sehen. Anschließend und abschließend lud Waltraud Bartsch, ohne die es das Schultheaterfest bekanntlich nicht geben würde, zum bunten Kindergeburtstagsbuffet, zu den kommenden Vorstellungen und nicht zuletzt zum angeregten Erfahrungsaustausch am und außerhalb des KriTischs ein. S.Z.

 

Tanzen gegen die Angst


Macht & Ohnmacht / Jugendliche und ihre Patinnen aus Potsdam
Bild: Macht & Ohnmacht / Jugendliche und ihre Patinnen aus Potsdam
Wie zeigt man der Welt seine Ohnmacht? Wie stellt man seine Angst zur Schau? Und wie kämpft man gegen beides an? Tänzerinnen und Tänzer der Potsdamer Tanzschule haben es sich zur Aufgabe gemacht, das herauszufinden. Mit einer Mischung aus Modern Dancing, Ballett und Break Dance wird dargestellt, wie man zwischen Macht und Ohnmacht wankt. Jung und Alt tanzen hier nebeneinander. Mit beeindruckenden Bewegungen wirbeln sie über die Bühne. Im Hintergrund läuft animierende Musik. Eine alte Frau sitzt im Hintergrund und sieht den Tänzern zu, während sie strickt. Der Block, auf dem sie sitzt, wird von einem Beamer bestrahlt. Ein Video, das das ganze Stück hindurch läuft und Kurzaufnahmen der Tänzer zeigt. Bei diesem Stück wird verstärkt auf Symbolik gesetzt. Gesprochen wird nie. Höchstens eine Tonaufnahme, in der es tönt „Ich habe Angst, blind zu werden“, „Ich habe Angst, dass meine Freunde sterben“. Das Publikum schaute gebannt zu. Trotz des unerwarteten Ausfalls eines Tänzers hat die gesamte Choreographie überzeugend das Thema „Macht und Ohnmacht“ vermittelt. Manchmal war es schwierig, zwischen Video und Tanzen den Durchblick zu bewahren, aber meiner Meinung nach ist das gesamte Stück sehr sehenswert. Christian

 

Entscheidungen / die Richtigen …


... wenn es anders kommt ... / Bärenherz, Theatergruppe der Lebenshilfe Schwedt, Kreisvereinigung Uckermark
Bild: ... wenn es anders kommt ... / Bärenherz, Theatergruppe der Lebenshilfe Schwedt, Kreisvereinigung Uckermark
Man spürte von Anfang an den Schlag des Bärenherzens, der ziemlich aufgeregt durch das Stück wummerte. Aber es war keine Angst, sondern die pure Freude, auf der Bühne zu stehen, die Erwartung dessen, was die Leute wohl sagen, wie sie reagieren werden. Und sie reagierten. wie immer wenn die Theatergruppe „Bärenherz” während des Schultheaterfestes auftritt, mit herzlichen Reaktionen und großer Aufmerksamkeit. Das anfänglich noch zu vernehmende Kichern und Tuscheln verstummte recht bald. „Bärenherz“ ist eine Theatergruppe junger Menschen mit körperlichen und kognitiven Einschränkungen, die unter dem Dach der „Lebenshilfe“ Schwedt unter der Leitung von Karola Ebert einmal in der Woche probt und leider zu wenige Auftritte hat. Aber in erster Linie geht es eher darum, gemeinsam mit Hilfe des Theaters Gefühle zum Ausdruck zu bringen, sich mitzuteilen und Berührungsängste abzubauen. Das gelingt sicher nicht immer, ist aber das Anliegen, dass der Auftritt hatte. Und zumindest im Rahmen des STF ist dies auch gelungen. Gerade weil sich die Gruppe in diesem Jahr einem recht heiklen Thema gewidmet hat, das für viele nicht nur ein Tabuthema ist, sondern gar nicht erst in die Gedanken dringt, ist es schwierig, das Stück zu beurteilen. Es ging um die Liebe mit Behinderung, um die Frage dürfen Behinderte Kinder bekommen und darum, wie es ist, wenn man als „total Normaler“ ein Kind mit Behinderung bekommt. Sehr einfühlsam näherte sich die Gruppe der Thematik. Sie setzte dabei Musik und Video, Lichteffekte und Tanz ein. Vielleicht manchmal ein bisschen viel, denn dadurch kamen die Darsteller oft nicht richtig zum Zuge und blieben im Hintergrund. Die Videosequenzen hätte man vielleicht auch spielen können. Aber dennoch war es schön, zuzuschauen und den Mut und die Spielfreude zu beobachten. Es war bewegend. Am Kritisch wurde gesagt, dass es unglaublich war, wie tief das Stück ging. Die Fragen, die aufgeworfen wurden, wurden zum Glück nicht beantwortet. Mit leicht skizzierten Antworten blieb der Zuschauer zurück. Allein mit der Konfrontation, mit den Gedanken und auch mit einer Portion Hilflosigkeit, die vielen immer erst dann deutlich wird, wenn man direkt davon betroffen ist. Und darum hier der Hinweis auf zwei Termine: Am 1.10. auf dem „Fest der Lebenshilfe“ und am 6.10. im „Waschhaus“ Potsdam kann man die Gruppe wieder erleben. Bis dahin aber ein Dankeschön für dieses vergnügliche und zugleich nachdenkenswerte Theaterstück. Roy

 

Es hätte einmal werden sollen …


Es wird einmal ... / Kurs Darstellendes Spiel, Kl. 12, Rouanet-Gymnasium Beeskow
Bild: Es wird einmal ... / Kurs Darstellendes Spiel, Kl. 12, Rouanet-Gymnasium Beeskow
Wohl jeder hat in seiner Kindheit die verheißungsvollen Worte „es war einmal“ vernommen und ist dann abgetaucht in die wunderbaren Welten rund um Rotkäppchen, Aschenputtel und Co. Wenn nun der DS-Kurs Klasse 12 des Rouanet-Gymnasiums Beeskow diese Figuren in die heutige TV-Landschaft versetzt und das Ganze dann zukunftsweisend „Es wird einmal …“ nennt, klingt das doch wirklich vielversprechend. Die Themen Medienkritik und Märchen hatten an diesem Montag sowieso einen Boom, an den Ideen sollte es also nicht scheitern. Aber um wirklich zu überzeugen, reichte das leider nicht. An der Umsetzung haperte es und die Klischeedarstellungen verfehlten oft ihre Wirkung. Geboten wurde dem Publikum eine Collage der nachmittäglichen Grausamkeiten der Privatsender: Lenßen, Kallwass und Saalfrank trafen so in Bestform auf Ghetto-Gretel und Emostilzchen. Herzlich gelacht wurde nur bei den Einspielern in „Werbepausen“ des Fernsehabends. Sie bewiesen dem Zuschauer nicht zuletzt, dass diese Leute auf der Bühne sich auch mit ordentlicher Kritik am Fernsehprogramm auskennen - oder zumindest fleißig Switch geschaut haben. Die Bemühungen aller verdienen natürlich Respekt und wie immer spielten einige doch ziemlich überzeugend. Hier will ich sie jedoch nicht nennen, denn ob diese Leistung nicht eher beängstigend ist, bleibt jedem selbst zu entscheiden. Kurzum: etwas lang, viel Mühe aber leider nicht so viel Effekt. Zum Schluss kann man eigentlich nur hoffen, dass die Benutzung des Futurs im Titel keine Drohung sein sollte. Dann doch lieber wie gefordert den Fernseher abschalten und sich wieder in das Phantasieland der Kinder träumen. Kora Palow

 

Deutschland deine Teenies


Deutschland, deine Teenies / LDK Darstellen und Gestalten, Kl. 10, Gauß-Gymnasium Schwedt
Bild: Deutschland, deine Teenies / LDK Darstellen und Gestalten, Kl. 10, Gauß-Gymnasium Schwedt
Die „Liga der Grieger-Krieger“, wie sich die 10er des Gauß-Gymnasiums aus einer Schnapsidee heraus nannten, zeigten die alltäglichen und ungewöhnlichen Ereignisse aus dem Teenageralltag. Es ging um die vielen verschiedenen Sprachen der Jugendlichen (Satzaufbau: Subjekt - Prädikat - Beleidigung + „Alter“), die Furzolympiade, Grüne-Gurken-Telenovelas und „Drei bei Don“ - der Mafiavariante von „Zwei bei Kalwass“. In kurzen Sketchen und Monologen ging es eine Stunde flott hintereinander weg. Den vierzehn Spielerinnen und Spielern sah man die Freude am Spiel an und auch, wenn manch einer nicht der geborene Sänger ist, gab es zwischendurch auflockernde musikalische Untermalung von allen. Manches war etwas vorhersehbar und es gab auch kleine Insider für alle Schüler vom Gauß-Gymnasium. Stolz wurde verkündet: „Wir sind die Schlausten auf dem Gauß“. Und: „Wir haben die Schule so gern“, gefolgt von einem Augenzwinkern. Die Gruppe hat sich von vornherein für ein lustiges Stück entschieden. „Liegt vielleicht an unseren Eltern“, sagte einer der Spieler. Die Geschichten und Monologe wurden selbst oder mit Unterstützung der Leiterin Frau Simone Grieger geschrieben. Herausgekommen ist eine unterhaltsame Parodie auf die eigene Generation und die Mediengeilheit der Menschen. Lorenz

 

Ist es Spiel oder ist es echt?


Liebelei - Spiegelei / Kurs Darstellendes Spiel, Kl. 13, Gymnasium im Stift Neuzelle
Bild: Liebelei - Spiegelei / Kurs Darstellendes Spiel, Kl. 13, Gymnasium im Stift Neuzelle
Die sechs Abiturienten des Gymnasiums im Stift Neuzelle, die aus der vorjährigen Präsentation von Mankells „Deadline“ übrig geblieben sind, hatten sich vor 10 Tagen doch tatsächlich dazu entschlossen, am diesjährigen Schultheaterfest teilzunehmen, und suchten sich ein Stück, welches sie anschließend schnell probten und am ersten Abend der siebzehnten Schultheatertage darboten. Sie nannten es „Liebelei – Spiegelei“ - ein Spiel zwischen, hinter und vor dem „Vorhang“. Weil alles noch nicht schlimm genug war, fiel am Abend vorher eine Darstellerin krankheitsbedingt aus, so dass die Spielleiterin selbst einspringen musste. Das dreiviertelstündige Stück zeigte vor allem eins: Mit Mut und Spielfreude kann man sehr weit kommen. Und es reicht vollkommen, ein paar Tage vorher mit den Proben anzufangen. Der Rest ergibt sich dann während der Vorstellung von selbst. Es war eine wahre Freude, den Damen und dem Herrn zuzusehen. Eine Theatergruppe steht vor ihrer großen Aufführung, die sogar so sehr ausverkauft ist, dass Stehplätze verkauft werden. Doch hinter der Bühne geht die Post ab, der Regisseur verguckt sich in die Neue der Gruppe, seine alte Flamme bekommt davon Wind und zudem entsteht zwischen den beiden männlichen Charakteren ein Machtkampf. Was hinter dem Vorhang angefangen hat, wird auf der Bühne weitergeführt. Das eigentliche Stück im Stück gerät in den Hintergrund, da es auf so herrliche Weise schlecht gespielt wurde. Das eigentliche Stück besteht aus drei bekannten Märchen: Schneewittchen, Dornröschen und dem Froschkönig. Doch das Beziehungsdrama zwischen der Neuen, dem mitspielenden Regisseur und des Regisseurs alter Flamme verhindert eine professionelle Darstellung. Ein Stück wie geschaffen für die Gruppe, die es wirklich geschafft hat, mit wahnsinniger Spielfreude zu überzeugen. Daumen hoch und lasst euch eure Spielfreude niemals nehmen. Fabian Bruck

 

Das Schwein ist tot!!


Macbeth / Theater Frankfurt (Oder)
Bild: Macbeth / Theater Frankfurt (Oder)
Die Schauspieler des Theaters Frankfurt inszenierten in fantastischer Weise Shakespeares „Macbeth“. Daniel Heinz und Christina Hohmuth besetzten dabei zu zweit alle Rollen, während Edgar Bangert und Konrad Gerber das Geschehen im Hintergrund mit Live-Musik und Zwischenrufen weiter mit Leben erfüllten. Die Bühne bestand aus einer Seilschaukel, rostigen Fässern und einer Wanne voll Blut. In dieser minimalistischen Weise erzählten die Schauspieler auf spannende Art von einem Leben aus Gier, Hass, Wahnsinn und Rache. Nebel und Licht sorgen für gespenstische Waldszenen. Einfache Schleier werden zu Pferden oder verwandeln einen Adligen in eine Hexe. Im Hintergrund donnern die Fässer wie eine marschierende Armee und der rasende Macbeth wird in einem Augenaufschlag zum ruhigen Malcom. Die Geschichte wird vor allem durch den Körper erzählt. Immer wieder werden akrobatische Bewegungen am Seil oder auf den Fässern aufgeführt. Gefühle werden nicht so sehr durch Mimik, als durch die Bewegungen der Körper zueinander dargestellt. Emotionen wurden so intensiv gespielt, dass man meinen möchte, der Schauspieler hätte sich am Ende fast selbst den Kopf abgeschnitten. Nachdem der die Klingen nämlich an den eigenen Hals setzte, wurde er in ein Fass gezerrt. Ein schneller Schnitt und herausgenommen wurde ein blutiger Schweinekopf. Diese Inszenierung empfehle ich jedem, der an guten Theater interessiert ist.Christian

 

Macbeth im Wesentlichen


Macbeth / Theater Frankfurt (Oder)
Bild: Macbeth / Theater Frankfurt (Oder)
Einen ganzen Shakespeare in 80 Minuten: Das Theater Frankfurt - von dem das Publikum naturgemäß viel erwartet - hat wieder einmal überrascht: Zwei Darsteller spielen den ganzen Macbeth und beweisen im Minutentakt, wie wenige Hilfsmittel es braucht, um zwischen zwei Figuren zu wechseln: Ein Schal ist Kopftuch, Pferd, Gürtel ... eine halbe Kokosnuss ahmt das Pferdegetrappel nach oder wird zur Kopfbedeckung. Besonders Christina Hohmuth beeindruckt, die eben noch ganz männlicher Banko daherkam und im nächsten Moment eine durchaus verführerisch-weibliche Lady Macbeth gibt. Licht, Nebel, Trommelgeräusche von alten Tonnen und einem weniger alten Bass ergänzen die Bilder (realisiert von zwei weiteren Darstellern des Theaters Frankfurt, die hier nicht unerwähnt bleiben sollen). Nichts und niemand befindet sich auf der Bühne, das bzw. der nicht mehrfach die Rollen wechseln würde. Und bei all dem kommt eines nicht zu kurz: Die Geschichte Macbeths. Und die verschlägt selbst dem, der das Theater Frankfurt in den letzten Jahren immer wieder erleben durfte den Atem, wenn sie mit ungebremster Kraft auf die Zuschauer zurollt. In der letzten Vorstellung dieses ersten Festtages konnte man sehen, was Theater ist und kann. Ob es den Schweinekopf da noch gebraucht hätte oder ob man den Tod Macbeths besser der Phantasie der Zuschauer überlassen hätte - nachdem er so gekonnt arrangiert worden war - mag da Geschmackssache sein. sz.

 

In eigener Sache


Bei allem guten Willen wird es uns vielleicht nicht gelingen, jede während des Schultheaterfestes vorgestellte Inszenierung in dieser Zeitung zu besprechen. Dies hat nichts mit einer Missachtung der betreffenden Produktionen und der geleisteten Arbeit zu tun, sondern ist einfach eine Frage von Kraft und Zeit. Auch aus diesem Grund ist jeder, der etwas für das sonnensegel schreiben möchte, herzlich dazu eingeladen. Wir sehen unsere Aufgabe in erster Linie darin, den (Erfahrungs-) Austausch zwischen den Gruppen und Spielern, dem das Schultheaterfest dienen soll, zu unterstützen und diejenigen zu informieren, die die eine oder andere Vorstellung nicht sehen konnten. Das heißt auch, dass wir uns um eine möglichst vielseitige und objektive Berichterstattung bemühen. Ein Grund mehr, warum wir auf Eure Unterstützung hoffen! Erreichbar ist die Redaktion des sonnensegels per e-mail szabelt@theater-schwedt.de oder telefonisch unter 538-230. Die Redaktionssitzung findet täglich um 9.00 Uhr im Büro der Dramaturgie statt. Die Redaktion

 
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