Sonnensegel Ausgabe 9.7.2009
Ich danke den Kindern und Jugendlichen, die in den vergangenen Tagen fröhlich und mutig die Uckermärkischen Bühnen belebt haben. Als Spieler und als Zuschauer. Ich danke allen, die den Kindern und Jugendlichen dabei helfen, Theater zu entdecken und am Schultheaterfest teilzunehmen. Neben den ubs-Kollegen haben viele Menschen zum Gelingen des Festes beigetragen. Wir brauchen diese Unterstützung auch im nächsten Jahr!
Nicht immer konnten wir alle Probleme lösen. Aber das gemeinsame Wollen und die Offenheit im Gespräch haben mich beeindruckt.
Die besonderen Momente sollen in Erinnerung bleiben und ich hoffe, jeder hat mindestens so einen magischen Moment erlebt.
Meldet euch kriTisch unter www.theater-schwedt.de und bleibt schön theaterneugierig!
Wir sehen uns sicher vor dem 28. Juni 2010 an den Uckermärkischen Bühnen.
Waltraud Bartsch
Harmonie, Liebe, zusammen auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten und das durch Konzentration der Lebensenergie in einem Punkt unter dem Bauchnabel. Das sind kurz gefasst die Ideen, denen diese friedliche Kampfkunst folgt. Dabei sorgen viele runde und fließende Bewegungen dafür, dass es eher einem Tanz als einer gewaltsamen Auseinandersetzung gleicht. Man muss zuerst sich selbst finden und alle Kräfte und Gedanken konzentrieren, um dann Fähigkeiten zu entwickeln, welche die körperliche Macht allein übersteigen. Das und mehr lernten gestern im Theater Stolperdraht die Teilnehmer des Workshops Aikido, zu denen auch unabhängig vom Schultheaterfest mehrere Schwedter Schüler gehörten. Allein und in Partnerarbeit sollte man sich „öffnen“, die Energie spüren und aus sich heraus wirken lassen. Vor allem versucht man dabei, die Angriffsenergie des Gegners umzuleiten und so gegen ihn zu nutzen. Obwohl hier oft die Kunst der Bewegung im Vordergrund steht, bleibt es doch ein Kampf. Die größte Harmonie herrscht immer noch, wenn der Gegner am Boden liegt.
Kora
Wie sollen nur fünf Schauspieler 13 Feen, einen König, eine Königin und dazu noch einen ganzen Hofstaat darstellen? Diese Aufgabe meisterte die Theatergruppe vom Theater Frankfurt und der Theaterschule für Körper & Bildung Frankfurt (Oder). Die Aufführung, so einer der Darsteller, sollte dem Lesen eines Buches ähnlich sein, wo man einzelne Bilder zu einem individuellen großen Bild zusammensetzt.
Mit großen Gesten sowie musikalischer Untermalung und kleinen Kunststücken spielten die Schauspieler das Märchen von Dornröschen vor. Sowohl das Bühnenbild als auch die Kostüme waren durch schrille Farben und Formen geprägt. Der Stil der Darstellung passte sich der Aufmachung des Bühnenbildes an: schrill und eigenständig.
Das Geschehen auf der Bühne wurde gespannt verfolgt, wobei die Zuschauer immer wieder in die Handlung mit eingebunden wurden. So musste zum Bespiel dem Prinzen geholfen werden, das Schloss von Dornröschen zu finden, da er zuvor auf seinem weißen Pferd zu weit geritten war. Auch musste er überredet werden, Dornröschen auf den Mund zu küssen und nicht nur auf die Stirn oder das Auge.
Abgesehen von kleinen Ausnahmen war das Theaterstück sehr nah an dem Märchen von Dornröschen angelehnt. Durch viel Bewegung und große Gesten erzeugten die Schauspieler eine Dynamik, welche noch nicht einmal durch das Umkleiden der einzelnen Darsteller gestört wurde, obwohl dies direkt auf der Bühne stattfand. Die Umgestaltung des Bühnenbildes wurde geschickt in die Handlung mit eingebaut, so dass keine Umbaupausen entstanden.
Insgesamt kann man sagen, dass dies eine Inszenierung der besonderen Art war, welche das schon oft gehörte Märchen von Dornröschen wieder mit neuer Spannung und Witz erfüllt hat und auch die Kinder im Zuschauerraum gefesselt hat. So waren viele Kinder auch noch nach der Vorführung beim Verlassen des Intimen Theaters überwältigt.
Miriam
Wie bereits im letzten Jahr inszenierte die Angermünder Chorleiterin Frau Janowski auch für die diesjährigen Schultheatertage ein Kindermusical für Groß und Klein. Nach Günther Kretzmars Musical-Vorlage war „Till Eulenspiegel“ auf der Bühne zu erleben. Wer kennt ihn nicht, den frechen Till, der den Bäckermeister beim Wort nimmt und statt Brötchen aus Schabernack Eulen und Affen backt, der die Honigräuber zur Verzweiflung bringt und der Gesellschaft den Spiegel vor die Nase hält?
Die Vorstellung war um 11:15 Uhr mit den jüngsten Mitgliedern des Angermünder „Spatzen Chors“ und dem „Kinderchor Brodowin“ zu erleben und wurde um 14:00 Uhr noch einmal mit den Schülern der 5. Klasse der Puschkin-Grundschule Angermünde unter der Leitung von Herrn Soldan aufgeführt. In beiden Vorstellungen war das vierköpfige Streichorchester der Angermünder Musikschule zu hören. Die jungen Musiker im Alter von 10 bis 17 Jahren überzeugten bei beiden Vorstellungen mit guter Intonation und sicherem Auftreten, eine hervorragende Leistung für so junge Musiker. Auch dem Auge wurde viel geboten: In lustigen Kostümen präsentierten sich die Schauspieler vor den liebevoll gestalteten Kulissen. Diese fertigte der Kunstkurs der Angermünder Puschkinschule eigens für die Vorstellungen an.
Wie bereits im letzten Jahr lohnte es sich, beide Theateraufführungen zu besuchen. In der ersten Vorstellung erlebte das Publikum einen weiblicher Till Eulenspiegel, zwei lustige, sehr authentische Bienenräuber und einen Chor der mit Unbefangenheit, spielerischer Leichtigkeit und kindlichem Charme begeisterte. In der zweiten Theateraufführung präsentierten sich die älteren Schauspiel-Kollegen mit gereiften Sologesängen des Till Eulenspiegels, guter schauspielerischer Leistung, weniger kindlicher Leichtigkeit, aber hoher Konzentration des Chors.
Beide Vorstellungen überzeugten mit guter musikalischer Leistung, jede von ihnen hatte ihren ganz eigenen, wunderbaren Charakter. Wir hoffen, auch nächstes Jahr wieder ein tolles Musical von euch erleben zu können!
Stefanie
Eine 600 Jahre alte Geschichte und trotzdem wurde noch gestern über die Schelmenstreiche von Till Eulenspiegel gelacht.
Die Kinder der Uckermärkischen Musik- und Kunstschule aus Angermünde und Boitzenburg, wurden von drei Geigen, einem Cello und Leiterin Dorothea Janowski am Flügel musikalisch unterstützt.
Die jungen Akteure zeigten sich professionell und blieben trotz großer Gruppe ruhig, sie spielten zusammen und halfen sich untereinander. Vom Chor wechselten sie fliegend in Einzelrollen, während parallel die Grundgeschichte von einem Mädchen vorgelesen wurde.
Der junge Hauptdarsteller stand, nachdem er die linken Schuhe der Stadtbewohner über den Marktplatz hängen ließ, selbstbewusst in der Backstube und produzierte die vom Meister gewünschten Eulen und Affen. Da der Meister diese nicht verkaufen wollte, kaufte er sie ihm ab und verkaufte sie vor dem Rathaus an die Kinderschar. Später versteckte er sich noch u. a. in einem Bienenkorb und spielte den zwei Dieben, die diesen stehlen wollten, einige Streiche.
Mit einem sehr eindrucksvollen Bühnenbild, das der Kunstkurs der Puschkinschule gestaltete, gelang es, eine schöne Atmosphäre zu schaffen. Vor allem den jungen Zuschauern hat die Geschichte gefallen, doch auch die älteren hatten dank guter Umsetzung ihren Spaß. Wie schon im letzten Jahr hat das Zusehen Spaß gemacht und ich freue mich, die jungen Schauspieler im nächsten Jahr wieder zu sehen.
Lorenz
Und wieder einmal fand am Mittwochnachmittag das Volleyballturnier der Schultheatertage statt. Pünktlich um dreizehn Uhr gingen die ersten Mannschaften an den Start. Gespielt wurde in vier Gruppen, jeweils sechs Minuten. Leider begleitete eine schwarze Regenwolke das Turnier, so dass manche Teams unter miesen Umständen, wie Wind und Regen, zu leiden hatten und insbesondere das Finale in zumindest einer Hinsicht ins Wasser fiel. Das Endspiel zwischen Alter Garde und Glücksvoßis endete 15:3. Insgesamt war es ein fairer Wettkampf mit toller Unterstützung von Seiten der Zuschauer. Mit einer kleinen Verspätung kam es zehn nach vier zur Siegerehrung. Die Alte Garde mit den ältesten Turnierteilnehmern freute sich über die von Konditorei Schäpe gesponsorte Torte. Gegessen wurde sie dann aber von den zweitplazierten Glücksvoßis, denen der Sieger die Torte geschenkt hatte. Die Glücksvoßis wiederum bedankten sich ihrerseits mit einem großen Tortenstück bei ihrer engagierten Spielleiterin - für diejenigen, die es angesichts des sprechenden Teamnamens noch nicht erraten haben: die Rede ist von Frau Voß.
Das Spiel um den dritten Platz konnte dann das Team Bääm mit nur zwei Mitgliedern für sich entscheiden. Sie gewannen 11:6 gegen Stacheldraht. Eine Überraschung für Spieler wie Zuschauer war das Team Bammelbusen, das immerhin den sechsten Platz belegte. Auch wenn es nicht zur Torte gereicht hat, so waren die sechs jungen Herren lustig anzusehen und sind mit ihrer durchaus gewöhnungsbedürftigen Spielweise unerwartet weit gekommen. Leider hat sich Team Uhuru aus Gryfino schnell geschlagen gegeben und ist zu zwei Spielen gar nicht erst angetreten.
Dank gilt dem Volleyball Club Angermünde e.V., der Netz, Bälle usw. zur Verfügung stellte, Uwe Tornow und Andreas Kolerstin, die als Schiedsrichter und Stadionsprecher fungierten, und natürlich der Konditorei Schäpe für die schöne Siegertorte.
Und weil es für alle ein Riesenspaß war, heute schon: Sport frei fürs nächste Mal!
Fabian Bruck
Fünf Mädchen vom Frankfurter Karl-Liebknecht-Gymnasium erzählten in zwanzig Minuten eine komplexe Geschichte über Schuld und Unschuld, Täter und Opfer. Grundlage war das Stück „Tätowierung“ von Dea Loher. In knappen, extrem formalisierten Szenen erzählten sie die Geschichte zweier Schwestern, die vom Vater missbraucht werden, ohne dass das Unaussprechliche ausgesprochen würde. Die ältere Schwester wird schwanger, zieht mit einem Mann zusammen, die jüngere Schwester bleibt zurück, sucht Zuflucht, wird abgewiesen, Tatmuster wiederholen sich ...
Im anschließenden KriTisch-Gespräch wurde heftig diskutiert, welche Wirkungen es auf die Zuschauer hatte, dass auch die Männerrollen von Mädchen gespielt wurden. Doch wie immer sich der einzelne entschied, deutlich wurde, dass diese intensive kleine Inszenierung - auch mit ihrem Mut zur Kürze, der hier einmal eindeutig hervorgehoben werden soll - niemanden kalt ließ.
Auch die zum Einsatz gekommene Musik spaltete die Gemüter. Mir war sie eher lästig, gebe ich zu. Sie lenkte mich ab von dem, was mir wesentlich zu sein schien, den Darstellerinnen und ihren Bewegungen, von denen keine überflüssig war, jede etwas bedeutete bzw. zum Ausdruck brachte. Ebenso wie kein überflüssiges Wort fiel in dieser Familie, in der irgendwann jeder des anderen Feind zu sein schien. Und diesen Mut zur Stille, den es innerhalb der Spielszenen durchaus gab, hätte ich mir auch während der dunklen Szenenübergänge gewünscht, in denen die Gedanken schon laut genug waren.
Sandra
Das Dreyfus-Syndrom. Zwei Männer, beide mit Namen Dreyfus, beide Sündenböcke in ihnen angedichteten Geschichten, beide müssen kämpfen und gelingen erst durch Hilfe von Freunden und Familie zu einer Rehabilitation.
Im Ganzen eine sehr weitläufige Handlung mit vielen verschiedenen Strängen, von denen leider einige im Verlauf unter den Tisch fallen. Zum Beispiel das Problem des Antisemitismus, das zwischen Lehrer Dreyfus und dem agressiven Nazi-Schüler auftritt. Oder die Rolle der Einserschülerin in der angeblichen Affäre mit ihrem Lehrer. Dadurch fehlt dem Zuschauer doch zum Teil der Blick für gewisse Zusammenhänge. Am KriTisch wird dann aber klargestellt, dass genau das Weglassen hier die Fantasie des Zuschauers fordern soll.
Das von der Leiterin Frau Simone Grieger verfasste Stück überraschte zwar positiv durch seine Themenwahl, es fehlte dafür leider zum Teil ein Gespür für die richtige Umsetzung. Mit vielen Schauspielern und wenigen Requisiten brachte der DS-Kurs eine sehr schwierige Problematik auf die Bühne. Die ungewohnte Umgebung brachte dabei vor allem für das Publikum einige akustische Probleme mit sich.
Das Schlagzeug zumindest war nicht zu überhören.
Kora
Ein Spiel der Götter war die Inszenierung von der Gesamtschule Talsand Schwedt. Es ging um die Sage des Prinzen Paris, welcher auf dem Olymp einen Schönheitswettbewerb entscheiden soll. Doch die göttlichen Verlierer sind beleidigt und machen das Leben des Juroren sehr schwer, so dass er schließlich verantwortlich für den berühmten Trojanischen Krieg ist. Doch wie stellt ein DS-Kurs der 12. Klasse das dar?
Die grandiose Idee, die dem Stück schließlich den Witz und die eigene Handschrift gab, war, dass der Hauptdarsteller ausfallen und einer aus dem Publikum gewählt werden sollte. Allerdings war der wahre Hauptdarsteller, der im Publikum sitzen sollte, wirklich ausgefallen. Aufgrund eines Überfalls in der Nacht von Dienstag zu Mittwoch konnte der Parisdarsteller nicht auftreten. Jedoch fand sich eine mutige Schauspielschülerin, die in kurzer Zeit einsprang und das sogar auf unerwartet souveräne Art. Innerhalb weniger Stunden versuchte sie, den Text zu beherrschen, was ihr gut gelang, und die Texthänger wandelte sie in witzige Improvisationen um. Diese Sicherheit auf der Bühne fehlte allerdings den anderen Schauspielern. Texthänger blieben soweit aus, aber man hatte als Zuschauer den Eindruck, dass die Schüler nicht hinter ihrer Rolle stehen. Dennoch ist es lobenswert, dass die Gruppe überhaupt auf der Bühne stand. Spielfreude und Mut behalten und an den Fertig- und Fähigkeiten arbeiten und dann bis zum nächsten Jahr!
Fabian Bruck
Wer am Abend des (vor-)letzten STF-Tages noch Kraft für die Inszenierung „Liebesrau(s)ch“ des Theaters Frankfurt hatte, wurde reich belohnt: Daniel Heinz erzählte, spielte - in manchen Szenen in drei bis vier Rollen gleichzeitig - und erlebte anderthalb Stunden lang die Lebensgeschichte eines bekennenden Nichtrauchers. Aber: „Jeder bekennende Nichtraucher war einmal ein bekennender Raucher, ein leidenschaftlicher Raucher, ein exzessiver Raucher ...“ Die rückhaltlose Leidenschaft dieses jungen Mannes für „seine“ Camel bringt ihn in die Psychiatrie, wo er aus Liebe Verzicht übt und das Nikotin gegen den Alkohol eintauscht.
Daniel Heinz bewies mit diesem Monolog einmal mehr wie wenig man braucht für einen exzellenten Theaterabend: Ein Requisit, ein Klavier, eine Stimme und ein Gesicht. Aber dieses Gesicht hat es in sich: In rasantem Tempo zeigt es Leidenschaft, Gier, Freude, Angst, Überraschung und und und. Es zieht die Zuschauer in seinen Bann, wie es die Stimme tut, die - nur ein Beispiel - nur durch eine extreme Verlangsamung des Sprechtempos ein beunruhigend deutliches Bild der Psychiatrie entstehen lässt.
Eine großartige Leistung auf der winzigen Bühne der Theaterklause, die für ihre Akrobatik, ihren Witz, ihre genaue Beobachtung mit dem herzlichen Applaus eines dankbaren Publikums belohnt wird.
S.
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